Publié le 24 Février 2010
Europa hat mich wieder, zumindest physisch, gedanklich bin ich noch nicht ganz angekommen. Die drei Wochen in Asien muss ich erst noch realisieren und aufarbeiten. Teil 1 des Reiseberichts mag ich der Blog-Leserschaft dennoch nicht vorenthalten.
Die Reise nach Burma war eingerahmt von Aufenthalten in Thailand.
Erstes Highlight war der Besuch in Wat Pho in Bangkok, wo gerade Vorbereitungen für den angekündigten Besuch der Königin anlässlich des Buddhistentages getroffen wurden.
Erste Erkenntnis meinerseits: Der Tag des Buddha fällt durch den Mondkalender nicht immer auf denselben Wochentag, sondern wechselt. Zweite Erkenntnis: Die Thailänder lieben ihr inzwischen betagtes Königspaar, ihr Konterfei ist omnipräsent.
Zurück zu Wat Pho. Da wurden aufwendige Blumengirlanden gebunden und drapiert,
da wurde in der Pagode gesaugt,
da wurde geputzt und hergerichtet, da wurden Räucherstäbchen, Blumen und Goldblättchen von den Gläubigen dargebracht, dass es nur so rauchte. Die festliche Stimmung war allgegenwärtig.
Leider konnten wir die mit fast 50 m Länge überdimensionale liegende Buddhastatue nur durch Plattdrücken der Nase an der Glasscheibe erspähen, denn dieser Raum war bereits gesperrt. So wie dann etwas später auch sämtliche Straßenzüge in der Umgebung des Tempels. Aber da trollten wir uns bereits zum Ufer des Chao Phraya mit Blick auf Wat Arun.
Zweites Highlight war vor meiner Rückreise nach Europa der Besuch in Ayutthaya, der Hauptstadt des Königreiches Ayutthaya zwischen 14. und 18. Jahrhundert, aufgenommen ins Weltkulturerbe der UNESCO. Die heutige Stadt ist teilweise unmittelbar an die Bauwerke herangewachsen. Begleitet und gekonnt zu den absoluten Musts geführt hat uns Miss O. Woher der Spitzname kommt kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist sie eine gute Freundin von Maggi, der treibenden Kraft für diese Reise und Asienkennerin par excellence – nebst Reisen in zahlreiche Länder hat sie mit Unterbrechungen insgesamt etwa dreieinhalb Jahre in Bangkok gelebt.
Besonders beeindruckt hat mich der speziell von der chinesischen Buddhistengemeinde frequentierte Wat Phanan Choeng. Die rund 20 m hohe Buddhastatue wurde gerade mit Unterstützung der Gläubigen gewandet – safranfarbene Stoffbandballen (die Mönche in Thailand tragen safrangelb) wurden gekonnt vom Boden bis zu der Buddha-Schulter hochgeworfen, die Gläubigen am Fuße der Statue hielten die Stoffbänder über ihre Köpfe, diese Zeremonie war schon alleine farblich faszinierend, noch dazu spannungsgeladen und ergreifend anzusehen. Geschmeichelt hat mir dann auch noch das Orakel: Stäbchen mit Nummer 11 schüttelte ich aus dem Köcher, der dieser Zahl entsprechende Text verspricht für mich viel Glück und Erfolg, nur mit der Zweisamkeit schaut es schlecht aus. Meine thailändische Sitznachbarin im Flugzeug hat mir liebenswürdigerweise die für mich rätselhaften Schriftzeichen übersetzt.
Nahe einer Tempelanlage liefen Monika und ich einer Schülergruppe bei ihrem sonntäglichen Englisch-Field-Trip mit dem Ziel Touristen zu interviewen in die Hände. Wir nicht fad haben natürlich mitgemacht, das lustige Ereignis wurde reich fotodokumentiert und gefilmt. Leider nicht von mir – ein kleines Versäumnis in der Reiseplanung ließ mich vergessen, eine zweite Speicherkarte für die Kamera anzuschaffen.
Rund zwei Tage verbrachten Monika und ich auf der Insel Kho Chang, um uns zu akklimatisieren, Abstand vom Alltag zu gewinnen und Energie für die Weiterreise nach Burma zu tanken. Die tägliche Thai Massage am Meer hätte ich gerne auch in Paris!
Ein Kaffeehaus eines Oberösterreichers bereichert die Infrastruktur der Insel – den von uns nicht verkosteten Apfelstrudel zu dem hervorragenden Kaffee bäckt ein befreundeter steirischer Konditor in Bangkok.
Insgesamt hat sich mir die Faszination mancher für Thailand nicht erschlossen. Ich war eher schockiert über diverse Eindrücke: Im Nationalparkgebiet Kho Chang wird hemmungslos ein Resort nach dem anderen errichtet, Einschränkungen gibt es offenbar nur hinsichtlich der Bauhöhe, die Orte entlang der Erschließungsstraße der Insel sind von schmuck- und charmlosen Betonhütten geprägt, in Bangkok herrscht Bauwut mit Wolkenkratzern und Shopping Malls.
Der Straßenverkehr ist Tag und Nacht trotz der relativ neue Sky Train, einer Art modernen U6 auf Betonstelzentrasse, mit der sich recht flott die Stadt durchqueren lässt, höchst beachtlich.
Europäer in Begleitung von thailändischen Frauen oftmals erheblich jüngeren Alters, Schlurfe, die irgendwann in Thailand hängen geblieben sind, Bars in Bangkok, die mit Paulanerplakaten für die entsprechende Klientel werben, die sich dort aufwärmt für den Besuch in Etablissements à la Annie’s Schaummassage. Ich finde das höchst unerbaulich und ausbeuterisch. Diesen Aspekt des in der kurzen Zeit von mir gewonnene unvollständige und sicherlich auch verzerrte Bild von Thailand übertitle ich mit - Ein Land verkauft seine Seele für die Servilitätshungrigen.
Eine feine Oase und Anlaufhafen in Bangkok habe ich im The Atlanta Hotel gefunden – ein Ort mit wunderbarem Ambiente, wo man sein Haupt getrost betten kann, seine Reise organisieren, hervorragend essen, E-Mails und Zeitung lesen kann. Die sehr präsenten Guidelines lesen sich strikt und heftig, aber sie haben mitunter ihren Ursprung im britischen Humor und sind wohl auch nicht ganz unbegründet aufgestellt.