„Das Wochenende hast echt verbockt“ dachte ich mir am Sonntag um 13h. Rendez-vous für Sonntag wurde am Samstag gegen 22h kurzfristig abgesagt, für die „Festival-Île de France“ Veranstaltung war es zu spät noch was zu organisieren, denn mit Öffis kommt man nicht hin und einen Platz in dem Festival-Bus hätte man spätestens am Vortag reservieren müssen, zu faul das Programm der Journées du Patrimoine zu durchforsten, für einen Spaziergang in St. Cloud an dem wunderschönen sonnigen Septembersonntag hatte ich dann auch keine Lust mehr – vor dem geistigen Auge auf den Spazierwegen die kinderreichen Großfamilien aus dem Westen von Paris haben mir den Elan genommen, Bois de Boulogne scheue ich lieber, und für einen weiteren Ausflug per RER war es schon etwas spät. Also hab ich schon fast die Flinte ins Korn oder vielmehr mich ins Bett geworfen. Aber dann hab ich doch nochmal das Programm der Journées du Patrimoine im 17e Arrondissement, also da wo ich zu Hause bin, studiert. Und bin auf einen Programmpunkt gestoßen, der mich sofort in den Bann gezogen hat: Ein Besuch in der Grande Loge de France, der französischen Freimaurerloge, die den schottischen Ritus praktiziert.
Flugs in die Hose und Schuhe geschlüpft und auf nach Rome (also der Métrostation in dem Fall). Das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts als Franziskanerkloster errichtet, stand ein paar Jahre leer, ehe es 1910 die Grande Loge de France bezog. Angeblich ein rarer Fall, normalerweise werden die Logen explizit für diese Verwendung errichtet.
Anfangs waren die Räumlichkeiten zu groß und man teilte diese mit Kino- und Kabarettbühnennutzung, was sich als zunehmend unpraktikabel erwies. Halli-Galli im Kabarett störte zunehmend die Sitzungen der Freimaurer.
Der 2. Weltkrieg war auch für die Grande Loge de France keine gute Zeit, Dokumente wurden zum Teil in Beschlag genommen und zunächst ins Deutsche übersetzt, dann von den Russen beschlagnahmt und ins Russische übersetzt, und viele Jahre später haben die Dokument nach Verhandlungen wieder den Weg von Moskau nach Paris gefunden. Zum Teil wurden die Unterlagen vernichtet ehe sie in die Hände der Deutschen fielen und damit wertvolle Informationen über die Mitglieder, die weniger wegen ihrer Mitgliedschaft in der Loge als wegen ihres jüdischen Glaubens oder ihrer kommunistischen politischen Einstellung verfolgt wurden.
Madame Roosevelt nahm nach dem Krieg persönlich an der Wiedereröffnung der Grande Loge de France teil. Der große Tempel in der Grande Loge de France, es gibt deren rund 20 in dem Gebäude, trägt auch den Namen Roosevelt. Ich habe leider kein Foto davon gemacht, denn er ist sehenswert, reich an Symbolen und in dem unteren Teil der ehemaligen Kapelle untergebracht. Ein Panoramabild gibt es hier zu sehen. Man hat nämlich das Gebäude adaptiert und in der Kapelle einen Zwischenboden eingezogen, sodass man nun zwei Tempelräume übereinander zur Verfügung hat.
Wir konnten im Rahmen der geführten Besichtigung das Museum, die Bibliothek, zwei Tempel und das Restaurant besichtigen und einen kleinen Einblick in das Freimaurertum bekommen, welche Themen Gegenstand der so genannten Ateliers (also Zusammenkünfte) sind, Organisation einer Sitzung und Rollen, der Aufbau eines Freimaurertempels, ein wenig über die Symbolik, Aufnahmeverfahren und andere Logen. Die Räumlichkeiten der Administration, die man für die 30.000 Mitglieder ohne Zweifel braucht, wurden ausgeklammert.
Was ich nicht wusste – sie organisieren auch Veranstaltungen, die für Nicht-Mitglieder zugänglich sind. Und die Themen klingen spannend.
Sarko scheint sich mit Mitgliedern einer anderen Loge, L'Orient, zu umgeben, laut eines heute in LePoint erschienenen Artikels.