Sonniger Sonntag, mit angenehm kuehlen Temperaturen in der Frueh haben mich animiert, ein wenig laufen zu gehen. Sollte das Tempo noch etwas reduzieren, nachdem ich ja sehr lange, seit Jahren kann ich sagen, schon nicht mehr laufen gegangen bin. Ich hatte einen Anlauf vor 3 oder 4 Jahren gemacht, mir dann gleich den Knoechel verstaucht, was zu Schiene und einer mehrwoechigen Pause gefuehrt hat. Danach habe ich nicht mehr wirklich hineingefunden.
Und heuer im Sommer hat mich die Lust erneut gepackt, ich hab mir andere Laufschuhe gekauft, und habe schon etliche Runden im Park gezogen.
Nach dem Fruehstueck habe ich noch einmal mein Glueck bei der Badestelle bei Grenelle versucht. Ich kam hin, keine Warteschlange, sondern direkt in den Badebereich. Kein Vergleich zu vorgestern am Nachmittag. Ich zog mich in der Umkleide um, verstaute meine Sachen in den bereitgestellten Kasteln, duschte, schnallte mir eine Boje um - jeder muss beim Schwimmen eine Boje tragen - und hopp, war ich drinnen in der Seine! ich war ueber die Wassertemperatur ueberrascht - rund um 23 Grad. Ich haette mir die Seinte kuehler vorgestellt. Ich war so aufgeregt, dass ich auf die Anzeigen gar nicht geachtet habe - es haette sicherlich Auskunft ueber die Wassertemperatur und die Wasserqualitaet gegeben.
Die Stroemung macht sich durchaus bemerkbar, ist jedoch nicht vergleichbar mit der Donau bei Emmersdorf. Stromaufwaertsschwimmen in der Seine ist ohne Problem moeglich.
Beim Eingang hatten sie gesagt, dass in etwa 20 Minuten die Schwimmzone evakuiert werden wuerde. Deshalb wollte ich so rasch als moeglich ins Wasser und habe mir nur oberflaechlich den Platz meines Kastls gemerkt, was mich kurz in Panik versetzt hatte, weil ich dort alle meine Sachen eingesperrt hatte. Letztendlich war die Panik unbegruendet.
Ich zog also die Laengen, bis uns die Badewascheln mit Trillerpfeifen aus dem Wasser gebeten haben. Sonnenbaden konnte man weiterhin. Sogar Sonnencremespender waren aufgestellt. Ich duschte, setzte mich ein wenig an den Rand des Schwimmbereiches, und beobachtete, wie die Eckbojen an der Absperrung des Badebereiches entfernt wurden. Keine Ahnung, weswegen.
Mein Eindruck ist, dass der Badeplatz gut organisiert ist und fuer Sicherheit, gute Abwicklung und Sauberkeit gesorgt wird. Es gibt Leute am Eingang, die Auskuenfte erteilen und die Taschen kontrollieren, etliche Badewascheln und Aufsichtler, einen Rotkreuz-Spot, die Umkleiden werden regelmaessig gewischt, der Zugang ist behindertengerecht, an die Regeln wird falls notwendig erinnert (nur im Badeanzug zum Schwimmbereich, eine Plattform in der Mitte des Schwimmbereiches darf nicht betreten werden, Boje tragen, duschen beispielsweise). Bei den Umkleiden sind Hinweise gegen Voyorismus und ungebuehrliches Verhalten angeschlagen, mit Hinweisen, wohin man sich wenden kann falls doch jemand starrt, filmt oder uebergriffig wird.
Die insgesamt drei Badestellen an der Seine sind uebrigens gratis nutzbar. Es gibt auch noch 8 weitere Badestellen, die Juli und August gratis genutzt werden koenne, davon eine am Canal Saint Martin und eine im Bassin de La Villette.
Dann machte ich mich wieder auf den Heimweg, vorbei an den Touristenmassen rund um den Eiffelturm. Bisher zeigen sich keine seltsamen Erscheinungen auf der Haut oder im Inneren des Koerpers. Ein wenig skeptisch bin ich wie man merkt. Zumal es einerseits die sichtbare Verschmutzung der Seine durch Plastikflaschen und anderes Treibgut, Fahrraeder, Roller und so weiter, aber auch die nicht mit freiem Auge feststellbare gibt. Den Kopf habe ich jedenfalls nicht ins Wasser gegeben. Augen, Mund und Nase kamen so nicht oder kaum mit dem Wasser in Beruehrung. Colibakterienwerte werden taeglich gemessen, auf das Ausmass an Blaualgen wird vermutlich auch ein Blick geworfen. Kopf aus dem Wasser fand ich jedenfalls besser und erlaubt den Blick auf den Eiffelturm und die Bruecke bei Bir Hakeim besser zu geniessen.
War auf alle Faelle ein super Erlebnis und quasi Wildbaden in der Seine ist ein Beitrag dazu, Paris lebenswerter zu machen.