Das Land der vieltausend Pagoden Burma war Hauptziel dieser Reise. Der buddhistischen Religionsphilosophie gehören rund 87% der Bevölkerung an und dass sie aktiv gelebt wird ist augenscheinlich – die Mönche und Nonnen sind allgegenwärtig, die Gläubigen in den Pagoden zahlreich, Buddhaschreine in jedem Haus zeugen davon. In Burma wird die ältere Schule des Buddhismus praktiziert – Theravada („Schule der Ältesten“) oder Hinayana („Kleines Fahrzeug“).
Im Unterschied zum Mahayana-Buddhismus („Großes Fahrzeug“), in dem Helferleins namens Bodhisattvas die Menschen auf ihrem Weg ins Nirvana unterstützen, ist der Theravada Buddhist auf sich selber angewiesen.
Die Theravada geht auf die ersten Anhänger von Siddharta Gautama zurück und lässt jeden einzelnen aus eigener Kraft den Weg ins Nirwana finden. Entsprechend ist bei dem Kleinen Fahrzeug nur einer kleinen Gruppe der Weg ins Nirvana offen. Mönche haben die größten Chancen.
Kern der Buddhistischen Lehre sind die Vier Edle Wahrheiten, aus der Vierten geht der Weg aus dem Leiden hervor, der Edle Achtfache Pfad.
Der Tagesablauf der Mönche ist streng reglementiert und neben Almosen sammeln, Studium, Hausarbeit gibt es auch Freizeit.
Schon in der Früh sieht man die Mönche mit ihren Almosenschalen im Gänsemarsch aus dem Kloster durch Dörfer und Städte ziehen, wo sie von Haus zu Haus gehen und um Almosen bitten.
Mönchen wird gemeinhin offenherziger gegeben als Nonnen, bringt das doch mehr Gutpunkte fürs Karma. Als Frau geboren werden gilt als Zeichen eines mittelprächtigen Karmas im früheren Leben und Nonnen werden weniger geachtet im Vergleich zu den männlichen Pendants. Eine Frau gilt als unrein und darf weder Mönch noch sein Hab- und Gut berühren. Wir haben uns köstlich über eine italienische Touristin amüsiert, die für ein Foto zwei Mönche hergefasst hat und in deren Mitte posiert hat, den Arm um deren Schulter. Den beiden ist ganz anders geworden.
Eine zugegebenermaßen auch touristisch ausgeschlachtete Mönchausspeisung erlebten wir in Amarapura, nahe Mandalay, in mit 1200 Mönchen einem der größten Klöster – Bagaya Kyaung. Riesige Töpfe mit Reis stehen im Hof, aus denen Frauen den Reis auf Teller und den vorbeidefilierenden Mönchen schließlich in die Almosenschüssel geben.
Ein Stück Wassermelone sowie Schreibmaterial wurden an dem Tag ebenfalls verteilt.
Die Mönche begeben sich mit ihrer Almosenschüssel anschließend in die Speisesäle. Aber es wird nicht sofort gierig hineingeschaufelt, nachdem die letzte Mahlzeit am Tag zu Mittag eingenommen wird läge das wohl nahe. Nein, es wird die Nahrung in völliger Konzentration und erst nach einer Art Meditationsphase eingenommen.
In eben diesem Kloster bekamen wir auch etwas Einblick in das Klosterleben: Körperpflege und Kopfrasur, Kochen, Wäsche waschen, Studiensäle.
Ein eindrucksvolles Erlebnis hatte ich in einem Kloster in Yaunghwe am Inle See. Ich betrat das Gebäude, in dem im Obergeschoss der Leersaal untergebracht war, im darunterliegenden Raum. Die Mönche deklamierten laut, jeder für sich, vermutlich den buddhistischen Kanon, die Tripitaka. Der Raum war erfüllt von den Stimmen, dass es mir unter die Haut ging und zu einem mystisches Erlebnis wurde. Es dauerte eine Weile ehe ich realisierte, woher dieser Klang kam und dass er menschlichen Ursprungs war. Ich ging dann auch noch in den Studiensaal. Die Mönche saßen in etwa eineinhalb Meter Abstand voneinander auf dem Boden, vor sich ein Buch. Dass aber bei aller Ernsthaftigkeit und Disziplin auch Platz für Unfug eingeräumt wird blieb mir nicht verborgen. Da wird gegrinst und kleine Zettelchen kursieren von einem zum anderen. Besonders amüsiert haben sie sich, als ich einem Zettelchen, das seinen Adressaten verfehlte mit dem Fuß in die richtige Richtung stupste. Der unerwartete Gast im Studiensaal war überhaupt eine rechte Attraktion.
In ihrer Freizeit halten sich die Mönche gerne an von Touristen frequentierten Orten auf und suchen das Gespräch mit ihnen. Sie führen ins Treffen, dass sie gerne ihre Englischkenntnisse in der Praxis üben möchten. Gleichzeitig bietet sich ihnen die Gelegenheit ein wenig von dem Leben in einer anderen Welt kennenzulernen.
Satellitenfernsehen und Internetzugang gibt es zwar zumindest in manchen Landesteilen, aber der Zugang ist massiv eingeschränkt, und die staatlich gesteuerte Medienlandschaft bietet ein höchst subjektives und verzerrtes Bild der Tatsachen. Freilich manipulieren die Medien auch in Hochburgen der Rede- und Pressefreiheit, aber das ist kein Vergleich zu einer Militärdiktatur. Wir lasen etwa eine englische Ausgabe des New Light of Myanmar, dem sorgfältig zensurierten offiziellen Regierungsblatt, dem auf der Titelseite ein fixer und umfangreicher Platz für die 3 Hauptsäulen des Landes reserviert ist: den 4 politischen Zielen, den 4 wirtschaftlichen Zielen, den 4 sozialen Zielen des neuen Myanmar Auf der zweiten Seite werden stets die Wünsche des Volkes platziert, wobei es sich dabei vielmehr um die Regierungswünsche handelt wird darin heftig gegen Regimekritik gewettert und deutlich gemacht, was mit Andersdenkern passiert. Der Rest der Zeitung, auf schlechtem Papier in schwarz-weiß gedruckt, ist eher inhaltsschwach. Fotos von Treffen mit ausländischen Politikern oder Diplomaten zeigen wohl den burmesischen Teilnehmer, den Gast nur von hinten. Und dass die Außenwelt schlecht ist wird dort so richtig deutlich, nur Katastrophen und Übles gibt es zu berichten.
Die fröhlich defilierenden Freizeitmönche sahen wir auch auf der 1200 m langen Fußgängerbrücke über den See Taungthaman.
Die Brücke wurde Ende des 18. Jahrhunderts aus Teakholz von Palästen der ehemaligen Hauptstadt Innwa errichtet. Dort wähnen sich die Mönche fern der Blicke ihrer Lehrmeister, den Bonzen, und erlauben sich kleine Freiheiten wie rauchen.
Übrigens verbringt jeder Birmane zumindest eine kurze Zeit seines Lebens im Klostern. Erstmals etwa im Alter von 10 Jahren. Dieser Eintritt geht mit eine aufwendige Vorbereitungszeit und Aufnahmezeremonie einher, und wer als reif erachtet wird bekommt anstatt der weißen Novizenkluft die rote Tunika um und das Haupthaar ab. Viele verbringen nur rund 2 Wochen im Kloster. Wer Mönch werden möchte bleibt natürlich länger und unterwirft sich den fast 300 Glaubensregeln, von denen von den Laien nur 5 zu beachten sind.
Das Kloster ist auch eine Möglichkeit Zugang zu etwas mehr Bildung zu kommen, die Klöster bieten zu der religiösen Lehre manchmal auch andere Fächer an. Das Bildungswesen liegt in Burma im Argen. Ein Großteil der Bevölkerung verlässt die Schule im Alter von 10, denn Bildung ist kostenpflichtig und für viele Familien unerschwinglich. Weiters sind die Bildungsstätten von dürftiger Qualität. Wissensdurst wird eher als Staatsgefahr gesehen, denn Studierende und Intellektuelle üben Kritik und Aufstand, und das will man definitiv nicht. Es wurden Universitäten sogar geschlossen nach Revolten Ende der 80er Jahre. Wer eine weiterführende Bildung genossen hat versucht vielfach das Land zu verlassen. Die Aufstände 2007 infolge der massiven Benzinpreiserhöhung wurden allerdings von den Mönchen angeführt. Optimistische Aufbruchstimmung begleitete den Berichten nach die friedlichen Proteste, die von der Militärjunta blutig niedergeschlagen wurden.
Ich habe unterschlagen, dass sich der Buddhismus in Burma mit dem Glauben an Nats, derer gibt es 37, und animistischen Strömungen vermischt hat. Neben den Buddhaschreinen gibt es auch zahlreiche Nat-Schreine.
Die Hochburg des Natkults befindet sich am Mount Popa nahe Bagan.
Mit jedem Nat sind Geschichten verbunden, man wählt seinen Lieblingsnat und bringt ihm auch Opfer dar, um sein Wohlwollen zu sichern. Geldrosetten, Blumenarrangements, Naturalien werden auf den Altären deponiert.
Tieropfer in Form von Kücken und Ferkel sahen wir bei unserer Wanderung durch die Dörfer im Chin Staat.
Der Glaube, dass Tier, Mensch, Natur belebt sind, der Respekt gegenüber allen Lebewesen, äußert sich im Umgang miteinander. Banales Beispiel: ich weiss nicht, wie oft wir für eine Henne mit ihren Kücken gebremst haben, sie passieren haben lassen, und soch noch mal zu vergewissern, ob eh keins noch mal kehrt gemacht hat und doch unter die Räder gekommen ist.
Dem Buddhismus verdankt das Land wunderbare Bauwerke – Klöster und Pagoden. Schwedagon in Yangon mit einer 100 m hohen vergoldeten Stupa ist eine der bedeutendsten Pagoden in Burma.
Die Gläubigen in den zahlreichen Tempeln bringen Gaben dar, spenden, verrichten ihre Gebete, schöpfen Wasser auf die Statuen des ihrem Geburtswochentag zugeordneten Tiers, bringen Blumenarrangements dar, entzünden Räucherstäbchen, applizieren Goldblättchen auf den Buddhastatuen.
Dicht gesät sind Pagoden und Stupas im ganzen Land.
Besonders zahlreiche Pagoden sahen wir auf dem Hügel von Sagaing und in der Ebene um Bagan. Dieses kulturelle Erbe lässt sich kaum mit Worten beschreiben oder in Bildern erfassen. Die Atmosphäre ist so einmalig, man muss dort gewesen sein und mit eigenen Augen gesehen haben.
In der goldenen Stadt Mandalay haben mich das aus Teakholz erbaute Golden Monastery und Mahamuni besonders beeindruckt.
Ja und im Ananda-Tempel in Bagan sind meine Lieblingsbuddhastatuen zu Hause.