Publié le 30 Mai 2010
Das Quartier Belleville im 11., 19. und 20. Arrondissement, die Grenze bildet in etwa die Verbindungslinie zwischen den Métrostationen Parmentier, Colonel Fabien, Botzaris und Télégraphe, beherbergt zahlreiche Künstlerateliers. Mehr als 150 haben an diesem Wochenende zu den Portes Ouvertes des Ateliers d’Artistes de Belleville eingeladen. Über 250 Künstler haben ihre Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Ich habe meinen Rundgang mit einer Darbietung des Tänzers und Choreographen Ali Fekih begonnen. Schwarz gekleidet, inklusive Kopf und Gesicht, setzt er ein oder zwei weiße Masken ein, macht Hinterkopf, Stirn, Gesicht, Kopfseite, Knie zum Gesicht und stellt Charaktere und Begegnungen dar. Faszinierende Szenerie, bei der die Zuschauer bald nicht mehr wissen, wo oben und unten, vorne und hinten ist!
Die Compagnia dello Zukkero hat ihre Installation Marie-Antoinette und dem berühmten Zitat „Wenn sie kein Brot haben, warum essen sie nicht Brioche“ gewidmet. Mit einem Kleid aus Styropor, einer Perücke mit Croissants dekoriert – Croissants wurden auch den Zuschauern gereicht - konnte man sich in die Reine de France verwandeln und fotografieren lassen.
Mein Rundgang führte mich weiter in die Photoausstellung im Café de la Mare für den Verein Autremonde und ins Atelier du Passage. Somit öffneten sich mir nicht nur Aspekte zeitgenössischer Kunst, sondern auch sonst verschlossene Türen in Häuser und Hinterhöfe. Das kommt meiner Begeisterung für Hinterhöfe, Innenhöfe, selten mögliche Blicke auf die Stadt weil üblicherweise hinter Fassaden verborgen, sehr entgegen.
In der Rue des Cascades war ich schon ewig nicht mehr, obwohl dieser Fleck von Paris immer wieder einen Besuch wert ist. Die Zeichnungen und Gemälde von Philomène Gerber sind mir besonders in Erinnerung.
Auf dem Weg hinauf Richtung Parc de Belleville gab es unter anderem in einem wilden Hinterhofgrün Menschenbilder gleichsam wie Äffchen in die Bäume und Sträucher drapiert zu sehen.
In der Ecke rund um Tue de Tourtille, Rue Ramponeau, Rue Denoyez war die Künstlerdichte besonders hoch. Die Carnets de Voyage, Reise(auf)zeichnungen und Aquarelle von Catherine Michel, haben mich rund um die Welt gebracht.
In einer ehemaligen Schlüsselfabrik, in den 90 er Jahren von Künstlern besetzt, und bisher erfolgreich entgegen anderer Pläne der Stadt Paris erhalten und in ein sozio-kulturelles Zentrum umgewandelt, scheint einmal mehr in Gefahr. Unterschriftenlisten lagen auf. Dort waren die faszinierenden Métro-Bilder von mili zu sehen . Annie Barels Gemälde und die Augenportraits von Wanda Savy sind ebenfalls unbedingt zu erwähnen.
Abschluss meines Spaziergangs bildeten die Sprayer, Ateliers, Rapperinnen in der Rue Denoyez.
Kunstrundgänge wie eben diesen zu beschreiben ist eine delikate Angelegenheit – Kunstbetrachtung in Worte fassen ist eine Kunst für sich. Ich habe diesmal keine Fotos von Belleville und den vielfältigen Facetten des Quartiers Belleville gemacht.
Ich kann nur sagen, dass mir die Entdeckungsreise durch Belleville großes Vergnügen bereitet hat. Ich habe es genossen die kulturelle und soziale Vielfalt, die damit einhergehende spürbare Mischung und Spannung im positiven Sinn, aber auch die merkbaren prekären Seiten des traditionellen Zuwandererviertels, zu erleben. Ich kann Belleville jedem Parisbesucher nur ans Herz legen.
Ein kleiner Blog-Beitrag bezugnehmend auf „Städteduell“ und zur Erläuterung, warum ich Paris so gerne mag.