Nicht die Sommeroper in Mosset, heuer steht Romeo und Julia auf dem Programm, sondern die Ashtanga-Yogawoche von Didier lockte mich in diesen wunderschönen Teil Frankreichs. Im Chataîgnier – nomen est omen, es stehen auf dem Grundsstück allerhand Edelkastanienbäume – haben sich Théophile, Joel, Francesco und ich zum „Trainingslager“ zusammengefunden.
Théo und Joel waren sogar per Rad aus Toulouse gekommen – Joel hat dort seine Aufnahmeprüfung für eine Tanzausbildung absolviert und bestanden, und sich dann mit Théo auf den Drahtesel geschwungen. Francesco und ich hatten es kommoter – wir trafen uns in Perpignan im Zug Richtung Prades, wo uns Didier und die beiden Jungs abholten. Per Auto ging es dann nach Mosset.
Schnell das Zelt noch bei allerletztem Tageslicht aufgebaut, den hungrigen Magen gefüllt, und ab in den Schlafsack.

Am nächsten Tag hieß es um 8h auf die Yogamatte für die 3 stündige Morgensession. Im Laufe der Woche rückte der Beginn sukzessive auf 7h, und weils irgendwann abkühlte, nachdem eine unglaubliche eindrucksvolle Wahnsinns Gewitterfront über die Pyrenäen gezogen war, wurde dann wieder eher gegen 8h begonnen.

Dass ich, die ich normalerwese noch nicht mal die Lider halb offen schon ans Frühstück denke nur mit Chai im Bauch 3 Stunden ohne Futter aushalte, und mich auch noch dynamischen Hüpfereien und dann Verrenkungen hingebe, ist eine ganz neue Erfahrung.
Nach der Morgensession gab es – oh Freude - mal ein paar Früchte und Tee oder sonst eine Kleinigkeit zu futtern. Denn es musste Platz bleiben für die genialen vegetarischen Didier'schen Kreationen, die dann so mehr oder weniger um 13h gar waren.
Bis dahin flätzten wir Yogaschüler herum, hingen in den Matten, gingen unter die Cascade duschen, lasen, dösten, spielten Mundharmonike.
Bis dann irgendwann „dans 5 minutes à table“ ertönte und Bewegung in die entspannten und hungrigen Leiber kam. Noch schnell aufgedeckt, was zum Trinken hingestellt, Dider bei den letzten Handgriffen geholfen… Damit das ganze noch lustiger wird haben wir zumeist ohne Besteck gegessen und das Essen mit einem Ritual, das nicht ohne „Om“ auskommt, begrüßt, ehe wir es uns einverleibten.

Der Nachmittag wurde mit Ausruhen oder Wandern oder je nach Lust und Laune verbracht. Einmal fuhren wir nach Prades, einem recht großen Ort mit sämtlicher Infrastruktur, die es so braucht.

Dann führte unser Ausflug weiter zum Canigou, dem so genannten Fujijama Kataloniens, ca 2.800 m hoch, und abschließend nach Olette, um uns in einer heißen Schwefelquelle im Wald zu entspannen.







Das Trinkwasser holten wir ab und an von einer Quelle, etwas mehr als eine Stunde Fußmarsch auf dem Berg von Mosset entfernt.
Dort oben wohnt Kathi, eine Pariserin aus gehobener Gastronomiedynastie, die vor 25 Jahren drauf gepfiffen hat und ihre Tierliebe unter dem Motte Rettet die Tiere vor dem Schlachthof auslebt. Rund 40 Pferde, 5 Hunde, Ziegen (Ficelle ist ihr jüngster Zuwachs – die Ziege war in einer Wohnung gehalten worde, bis sich das als zunehmend schwierig erwiesen hatte), Schafe, Kühe, Katzen, Hühner gibt es auf ihrem Grundstück – das allerdings nicht ihr gehört. Die Dame hat Charakter, aber löst auch ein wenig Besorgnis aus. Denn sie ist Mitte 50, ohne rechtes Einkommen, allein in den Bergen, und das setzt ihr vor allem in den sicher nicht unlangen Wintern mitunter zu. Aber als wir ihr begegneten, wirkte sie fidel, obwohl ihr Freund gerade einer schweren Erkrankung erlegen war. Er wohnte übrigens nicht auf der Höh mit ihr. Das war mehr eine Talliebe, man munkelt eine Trinkbarliebe. Tja, vor Klatsch und Tratsch ist man selbst auf 1300 m nicht gefeit, und man pflegt auch die Fehde mit dem spanischstämmigen Nachbarn, der irgendwo hinter dem nächsten Hügel auch allein haust, beispielsweise wegen eines Rindviehs, das nicht willkommen war, obwohl es so gern rüber zu den anderen gegangen wär.




Aber flott musste man wieder absteigen nach Mosset, denn um 18h stand die Abendyogasession, diesmal Hatha, auf dem Programm. Die Zeit bis zum Abendessen wurde dann wieder je nach Lust und Laune verbracht. Wer noch nicht geduscht hatte aktivierte die Kaskade. Dazu eine Erklärung: Auf dem Grundstück gibt es kein wirkliches Fließwasser. Für die Küche wird etwas Quellwasser gesammelt. WC ist eben ein Trocken WC. Und die Dusche ist entweder eine Solardusche, wer den Plastiksack mit Wasser füllen mag und in der Sonne Warmwasser erzeugen will. Oder die Cascade. Ein gefasstes Kanälchen fließt durch Didiers Grundstück. Mit einem Schieber kann man regeln, ob das Wasser normal seinen Lauf nimmt oder eben in Form eines Wasserschwalls über einen Abbruch von etwa zweieinhalb Meter zur Dusche wird. Frisch war’s! Francesco und ich waren eifrige Benutzer, Francesco merkte trocken an: bei so einer Yogawoche gehört das zur Reinigung dazu.

Als ich mich nach einer Woche wieder im Spiegel sah war ich überrascht, dass da an Stellen, wo vorher keine Muskel waren, plötzlich solche zu sehen waren. War einfach spitze, Yogaworkout, mit der Seele baumeln, wandern, entspannen, Natur pur. War sehr nach meinem Geschmack! Und ist so hoffe ich ein nachhaltiger Beitrag dazu meine lästigen Wutausbrüche in den Zaum zu bekommen.
OM SHANTI SHANTI SHANTI OM