Publié le 15 Mai 2011
Der Name Boulogne geht auf Philipp den Schönen zurück, der nach einer Pilgerreise nach Boulogne-Sur-Mer eine Kapelle errichten ließ. Und so wurde im 14. Jahrhundert der Wald von Rouvray in Bois de Boulogne umbenannt und der Ort erhielt den neuen Namen Boulogne.
Das Dorf blieb lange Zeit eines, zählte Anfang des 19. Jahrhunderts nach wie vor nur irgendwelche paar Tausend Einwohner. Und dann ging es mit der Ansiedlung namhafter Industrie-und Gewerbebetrieben in Billancourt bergauf. In Boulogne wohnte man, in Billancourt arbeitete man. Die beiden Gemeinden wurden in den 20er Jahren zusammengelegt, zur Zeit der absoluten Blütezeit, die in die Amtszeit des Bürgermeisters André Morizet fiel.
Der Bürgermeister hat das Bild der Stadt maßgeblich geprägt, hat avantgardistische Projekt forciert, die den Bedürfnissen der Gemeinde Rechnung trugen: Administrative Bauten, Arbeiterwohnsiedlungen etc. Die Gemeinde zog auch zahlreiche Kunstschaffende an, Atelier-Wohnhäuser zeugen noch heute dafür. Die Architektur aus den 20er und 30er Jahren lässt sich in drei Sparten teilen. Klassizistischer Stil, ruraler Stil, und Art Déco / Art Nouveau. Ein Streifzug gemeinsam mit dem Kulturverein RMS Network durch diese Epoche, die durch die Gebäude noch heute präsent ist. Und die ich vielfach heute noch als bemerkenswert und sehr modern empfinde.
Boulogne war bereits im 19. Jahrhundert reich an Sportstätten. Die Stadien Roland Garros, Parc des Princes, derzeit wird ein neues Stadion errichtet, Pferderennplatz Longchamp usw. Le Corbusier konzipierte unter anderem ein Wohnhaus für eine relativ wohlhabende Klientel, die Körperkult, Natur, Sport in ihr Lebenskonzept integriert hatten. Le Corbusier selber errichtete sich auf dem Dach für sich ein Appartement-Atelier. Dieses beherbergt heute eine Dependance der Fondation Le Corbusier und kann samstags besichtigt werden. Steht auf der Liste für meinen nächsten Besuch in Boulogne.
Die flexible Wohnungsgestaltung, die den Wünschen der zukünftigen Bewohner Rechnung tragen konnte, war zu dieser Zeit revolutionär.
Werke des Bildhauers Landowski sind im Garten und Museum Landowski zu sehen. Wir haben uns mit dem Garten begnügt, was aber nicht minder eindrucksvoll war.
Da war der geschlagene Boxer – Le Boxer tombé, l’Hymne à l’Aurore - die Begrüßung der Morgensonne – Surya Namaskara würden die Yogis sagen, die Frau, die einen Mann küsst, der allerdings ist nicht mehr „erhalten“ ist, quasi auf und davon;-) - Le Cantique des Cantiques
Werk Le Temple de l’homme – nie fertiggestellt, aber schon die Entwürfe sind eindrucksvoll!
Le Mur du l’héros
Elément des Sources de la Seine Relief an der Außenmauer zum Museum
David Combattant – dafür bekam Landowski den Preis der Stadt Rom und schuf damit das Werk, durch das er zur Berühmtheit gelangt
Bald werden die Skulpturen an einen anderen Ort transferiert, angeblich in die Nähe des Musée des Années 30.
In Fortsetzung der Besichtigung in der Vorwoche habe ich heute ich in den Tuilerien Les Fils de Cain von Landowski gewürdigt.
Nicht ganz in die Epoche passend, aber nicht minder interessant ist die Bibliothèque Paul Marmottan.
Monsieur Marmottan war ein Napoleon Fan, sammelte allerhand Gegenstände und Möbel. Und vor allem Bücher, die in der sehr eindrucksvollen Bibliothek zu sehen sind. Auch in andere Wohnräume durften wir einen Blick werfen.
Runder Tisch mit drehbarer Scheibe in die Tischplatte eingelassen
Rund 20 Projekte von Raymond Fischer, Mallet-Stevens, Jean Fidler, Auguste und Gustave Perret, Victor Guilgot, Le Corbusier usw. sahen wir während unseres Stadtspazierganges. Hat mir Lust auf Mehr gemacht – und ich werde sicherlich demnächst wieder Gast in Boulogne-Billancourt sein: Hôtel de Ville und Appartement-Atelier Le Corbusier, Musée Landowski müssen von innen besichtigt werden, Parc de Boulogne Edmond de Rothschild will gewürdigt werden usw. usf.