Publié le 26 Novembre 2011
Bahnhöfe tragen oftmals richtungsweisende Namen: Ostbahnhof (Gare de l’Est), Nordbahnhof (Gare du Nord). Aber bei manchen Bahnhöfen weiß man sofort ganz genau wo die Reise hingeht, wie etwa bei Gare de Lyon.
Ursula, ursprünglich parisreiselustig, war nicht fad und sagte spontan zu sich meiner Lyonerkundungstour anzuschließen. Kaum war Ursula in Paris angekommen ging es schon ein paar Stunden später in aller Frühe auf zum TGV, nach etwas mehr als 2 Stunden Fahrt standen wir also im sonnigen Lyon.
Mit ein paar Tipps von Matthieu – Lyoner und Improvisationstanzkollege - dem Wissen, dass die Biennale gerade im Gang ist, und einem Stadtführer ausgestattet stapften wir Richtung Hotel auf der Halbinsel. Erster Vorzug von Lyon: Die Stadt liegt an zwei Flüssen: Le Rhône et la Saône, die in Lyon ineinander münden. Und das kommt sehr gut, gibt der Stadt ein besonderes Flair und Errungenschaften wie Flußhafen, Péniches (Kähne) zum Wohnen oder Ausgehen, viele Brücken, neues Stadtviertel, bei deren Gestaltung sich zeitgenössische Architekten ausleben.
Die Halbinsel liegt im Stadtviertel Le Cordelier. Dieses beherbergt l’Hôtel de Ville aus dem 17. Jahrhundert, zwischen Place des Terreaux und Place de la Comédie gelegen. Erstgenannter Platz wartet mit dem genialen Brunnen Fontaine Bartholdi, zweiterer mit der von Jean Nouvel modernisierten Oper auf.
Besagter Brunnen inspiriert von dem Versailler Apollon-Brunnen, ursprünglich im Auftrag des Stadt Bordeaux geschaffen, wurde vom angetanen Lyoner Bürgermeister gekauft. Und in Lyon aufgestellt.
Die Flussallegorie mit Frau auf dem von vier Pferden gezogenen Wagen hat mich überaus fasziniert. Die Kraft und Energie, die von dem Brunnen ausgehen, sind bemerkenswert. Die Nüstern der Pferde dampfen sogar dank kleiner Wasserdüsen!
Herr Bartholdi zeichnet übrigens auch für die Statue „La Liberté éclairant le Monde“ – die Freiheitsstatue – verantwortlich. Die wiederum in einem Atelier geschaffen wurde, das sich in der Straße, in der ich wohne, befand.
Die Oper von Lyon wurde in den Rang einer Nationaloper erhoben. Der Opernsaal hängt frei schwebend. Rote Laternen. Junge Mädels, die ihre hip hop Choreographien an der verspiegelten Fassade einstudieren.
Von hier lässt sich ein Spaziergang auf die Anhöhe Pentees de la Croix-Rousses unternehmen.
Von Place Bellecourt ist das Stadtviertel St-Georges gut erreichbar. Die engen Gässchen durchziehen nicht nur den flußnahen flacheren Teil, sondern ziehen sich auch den Hügel hinan richtung St. Just und Fourvière. Lyon hat nämlich auch Hügel aufzuwarten, von denen sich ein herrlicher Blick auf die Stadt bietet. Und die auch Standort des römischen Theaters, römischer Ruinen, des Gallo-Römischen Museums, das in den Hügel gegraben ist.
Das traditionsreiche Marionettentheater – die Guignols – haben Ursula und ich auch nicht ausgelassen. Ein Spektaktel im Théâtre La Maison de Guignol, das die Stadtpolitik auf die Schaufel nimmt, und da ganz besonders der umstrittene, politisch getriebene und nicht ganz skandallose Bau des Riesenfußballstadions, stand auf dem Programm. Unsere Befürchtung, dass uns das alles als temporäre Besucherinnen nichts sagen wird, war unbegründet. Kasperltheater für Große eben. Das ganz berühmte Marionettentheater ist übrigens das der Compagnie Streble.

Eine weitere Tradition, die „Les Bouchons“ genannten Gaststätten, erkundeten wir ebenfalls. Sogar auf der Terrasse sitzend, ohne Heizstrahler – die Sonne macht`s sogar im Oktober möglich. Auf den Speisekarten findet man durchaus Deftiges, Wurst und Speck sind oft zentrale Bestandteile.
Der Biennaleausstellungstätte La Sucrière in einer ehemaligen Zuckerfabrik statteten wir einen Besuch ab. Die Ausstellung hat mir gut gefallen – bravo an Victoria Noorthoorn, der Kuratorin für die „ Une Terrible beauté est née“ übertitelte Ausgabe der Biennale.