Publié le 24 Juin 2012
Gut Ding braucht Weile könnte man schreiben, brauchte es doch rund 10 Monate, bis Teresa und ich unseren Plan, Port-Royal-des-Champs nochmal zu besuchen, in die Tat umgesetzt haben. Siehe Blog "Kultur - Wozu isn das gut?"
Am Sonntag um 08:25 in Châtelet auf dem Bahnsteig der RER B stehen ist nicht die Beschäftigung, die ich mir wünschen würde um diese Zeit. Zumal ich am Vorabend im Théâtre de la Ville war – der Kongolese Faustin Linyekula hat La Création du monde 1923 – 2012 in Szene gesetzt, inspiriert von dem schwedischen Tanztheater aus den 20er Jahren des 20.Jh. Eine kritische Auseinandersetzung mit eben diesem Stück und dem Blick Europas auf Afrika. Sabine und ich trollten uns anschließend nicht gleich nach Hause. Aber Sonntagsausflug ausgemacht ist ausgemacht und der Baladobus von Saint-Rémy-les-Chevreuse fährt um 10h oder um 15:00. Die Wahl fiel auf den Frühbus, und das heißt - früh aufstehen.

Das Museum in Port-Royal hatte bei unserer Ankunft noch nicht einmal die Pforten geöffnet. Die Beweggründe für den Ausflug waren Antrieb genug: Auseinandersetzung mit der nicht unblutigen Geschichte des Klosters, das 1709 dem Erdboden gleich gemacht worden war, weil es zu sehr Zelle für papst- und herrscherhauskritische Köpfe war, mehr über die Reform-Äbtissin Angélique Arnauld - sie hatte das Amt im Alter von 11 Jahren im Jahre 1602 übernommen -
und mehr über die zunächst katholische, dann politische Strömung des Jansenismus mit Wurzeln im 17. Jahrhundert erfahren.
Im Museum war die entsprechende Information weniger profund als gehofft. Politik und Glaube mögen als heikle Themen in einem heute in Staatsbesitz befindlichen Anwesen erachtet werden. Aber auch über die „petites ecoles“, eine im 17.Jh. fortschrittliche Bildungseinrichtung mit 5 – 6 Schülern pro Klasse, wurde nur kurz berichtet. Die Schulbücher, die damals für die Fächer wie Mathematik, Griechisch, Latein, Grammatik etc. herausgegeben worden waren, sind ausgestellt.
Gebäude der ehemaligen "Petites Ecoles".
Teresa und ich waren uns einig, der Ausflug war sehr lohnend. Ein Schlaglicht auf die Geschichte Port-Royals erlaubte eine erste Auseinadersetzung mit diesem Ort, den historischen Ereignissen, und den Persönlichkeiten, die diesen geprägt haben, die ja nun vertieft werden könnte.
Der Park, die Obstgärten, die umliegende Landschaft sind übrigens sehr sehenswert.
Libanon-Zeder, Am Beginn des 19. Jahrhunderts gepflanzt.
Klosterruinen am Fuße des Hügels.
Wir hatten dann noch Zeit bis zur Abfahrt des Busses retour, trotzten dem Regen und wanderten nach Saint-Lambert-des-Bois, ein Beispiel für moderne Kirchenfenster in alten Kirchengemäuern,
und einem bestimmt guten Restaurant - La Terrasse de Sauvegrain - , das uns leider mangels Vorreservierung hungrig wieder wegschickte.
Also wanderten wir den „Chemin de Jean Racine“ wieder retour nach Port-Royal und ließen den Besuch an dem heute sehr friedvollen Ort auf alt ehrwürdigen Fauteuils im Eingangsbereich bei Keksjause ausklingen.
Zitat auf der Holzvertäfelung der Bibliothek: « Ne vous fiez pas plus à vos vertus qu'a vos faiblesses »
Blaise Pascal - Disproportion de l’homme
« Car enfin qu’est-ce que l’homme dans la nature ? ... infiniment éloigné de comprendre les extrêmes : la fin des choses et leurs principes sont pour lui invinciblement cachés dans un secret impénétrable, également incapable de voir le néant d’où il est tiré, et l’infini où il est englouti.».
« Que fera-t-il donc, sinon d’apercevoir quelque apparence du milieu des choses dans un désespoir éternel de connaître ni leur principe, ni leur fin. »
« La seule chose qui nous console de nos misères est le divertissement, et cependant c'est la plus grande de nos misères, car c'est cela qui nous empêche principalement de songer à nous et qui nous fait perdre insensiblement...Mais le divertissement nous amuse et nous fait arriver insensiblement à la mort. »
La Clef du Savoir (Dominique Fajeau)