Publié le 13 Mai 2012
gestern krauderte ich wieder lange herum, da waren noch ein paar Sequenzen eines Filmes auf arte anzusehen, nach Musik im Internet zu stöbern, im Roman L'art de la Joie von Goliarda Sapienza weiterzulesen, und dann war es halb drei.
Aufgewacht nach einem profunden Schlaf, mich sogar noch an Träume erinnernd, was höchst selten der Fall ist, feststellend, dass der Schlaf auch bewegt war, denn ich wachte kurz auf um meinen hinaushängenden Kopf wieder ins Bett zu holen und den Körper anstatt der Diagonale wieder der Längsseite nach auszurichten, stellte ich mir die Frage, wieso die Müdigkeit oft gelindert ist, aber so tief im Leib implantiert scheint, dass sie nicht gänzlich verschwinden mag.
Der Mai ist ein Monat, in dem der Wecker nicht mindestens 5x pro Woche unerbittlich zum Aufstehen mahnt. Vielleicht irritiert das den Körper, der sich denkt, na wie jetzt, jetzt plötzlich nicht, und dann schon wieder so rund um 7h "auf, auf ihr Hasen, hört ihr nicht die Jäger blasen"???
Wieviel teilig ist die Müdigkeitsskala? Gibt es eine solche? Da schläft man mal kurz und ist fidel wie eine Junge, dann wiederum schläft man lange und ist erschlagen und matt wie eine Eintagsfliege. Die Eltern wissen es immer ganz genau für ihre Kinder "du bist müde, du musst jetzt schlafen", die ihrerseits der Müdigkeit auch ungehemmt freien Lauf lassen und mitunter im wahrsten Sinne des Wortes im Stehen einschlafen. Der erwachsene Mensch folgt oder ignoriert dem Ruf und Bedarf nach Schlaf und macht irgendwie, und ändert das auch entsprechend innerer und äußerer Kriterien. Die Variabilität und Vielfältigkeit ein und desselben Menschen und der Menschen untereinander äußern sich schließlich auch in den Schlafgewohnheiten.
Manchmal wiederum mag sich trotz heftiger Müdigkeit der Schlaf so gar nicht einstellen. Selbst das berühmte Schafe zählen, sich auf einen Atemrhythmus mit langer Ausatmung konzentrieren, einen Ruhetee schlürfen helfen nicht immer angesichts des aufgewühlten Zustandes und der Vielzahl an im Kopf kreisender Fragen, die nach Antworten lechzen.
Müdigkeit kann ganz normal, oder Anzeichen für Irritationen körperlicher oder geistiger Natur sein; Sie kann Mahnung sein, dass man einfach müde ist manches zu tun, und dass foglich erhöhter Energiebedarf nötig ist, um trotzdem weiter zu machen.
Praktisch täglich schläft man, und weiss doch so herzlich wenig darüber.
Guten Morgen!
Abendlied (Matthias Claudius)
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.
[...]
So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!