Löschdecke? Ofenfenster, das einen Blick auf das romantische Kaminfeuer zulässt?
Aber nicht doch, Ausgangssperre!
Meine Mutter erzählt oft von der während des zweiten Weltkrieges im Luftschutzkeller in Wien zugebrachten Zeit, die ihr ewig lange vorgekommen ist und traumatisch für sie ist. Durch den so genannten Kuckuck im Radio wurden Fliegerangriffe angekündigt, hoffentlich rechtzeitig, um das wichtigste Hab und Gut zu nehmen und sich in dem nächstgelegenen Luftschutzkeller in Deckung zu begeben.
Diese Erlebnisse haben sie ihr Leben lang begleitet, sind über all die Jahre in den Knochen geblieben.
Couvre-feu war der Begriff und Zustand, der während der deutschen Besatzung Frankreichs verwendet wurde, und dieser Beigeschmack / Unterton schwingt bis heute mit.
Im 21. Jahrhundert, 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, gibt es zwar in der europäischen Union keinen Krieg. Aber Ausgangssperre. Couvre-feu. In Paris, Île de France, und ein paar anderen Städten, gilt ab Samstag Ausgehverbot zwischen 21h und 6h in der Früh.
Das Virus scheint dazu zu verpflichten. Ade alles, was mit Freizeit, Kultur, Kunst, Sport zu tun hat. Inzwischen wird offen ausgesprochen, dass bis zum kommenden Sommer die Lage fern von normal bleiben wird. Dazu muss man sagen, dass nicht alleine Frankreich rasant steigende Zahlen an Erkrankten zu verzeichnen hat. Sogar in Ländern wie Deutschland scheint die Lage mehr und mehr aus dem Ruder zu laufen.
Ich hoffe, dass ich den Singunterricht weiter besuchen werde können, auch wenn ich noch nicht weiss, wie ich es bis 21h bis nach Hause schaffen werde. Zsuzsanna könnte uns ggf. auch Bestätigungen ausstellen. Mal sehen. Es gibt wieder Atteste, die man selber ausfüllen kann, so wie im Lockdown. Aber wird man ohne Papier in der Ausgangssperre erwischt, wird eine Strafe fällig.
Das Mieten von Proberäumen für Tacuabé wird wohl eher hinfällig. Zwischen 19h und 20h zahlt sich eine Probe nicht aus, da ist man noch nicht einmal aufgewärmt, ist es schon wieder vorbei.
Ob das Wochenende Ende Oktober mit Lorna stattfinden wird können ist auch fraglich. Und ich frage mich auch, ob das vernünftig ist.
Abgesehen davon bin ich völlig unter Wasser mit Arbeit und viel zu langen Arbeitstagen, wo es dauernd gilt, zu jonglieren, nachzurennen, Druck zu machen, Unerwartetes zu managen, die Abwesenheit oder das Abziehen von Kollegen zu kompensieren durch Finden von Ersatzpersonen oder Ausreden. Und den zunehmend unmöglichen Anforderungen des Kunden, der selber unter Wasser ist und daher versucht, alles auf den Lieferanten abzuwälzen.
Ausgelaugt. Und Hoffnung auf einen Lichtschimmer am Ende des Tunnels diese Projektes gibt es frühestens im März oder April 2021. Und der Hoffnungsschimmer wegen des Virus ist ohnehin unsinnig zu terminisieren.
Diese Woche habe ich zwei Tage im Büro gearbeitet. Das fand ich ziemlich gut letztendlich, zumal ich doch etliche Bedenken hatte. Ehe man die Räumlichkeiten von FactSet in der Früh betritt muss man einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Macht man das nicht oder ist man entsprechend der Antworten nicht konform mit den geltenden Regeln des Arbeitgebers, wird der Zugang nicht gewährt.
In unserem Büroraum war ich die einzige und hatte daher sämtliche Freiheiten und Platz. Quel luxe! Plus Tapetenwechsel. Und Begegnung mit ein paar anderen Kollegen. Auch wenn wir nicht so extrem zahlreich sind unter den Kollegen, die ins Büro zurückgekehrt sind, so ist es doch fein, ein paar Worte zu wechseln und sich ein wenig auszutauschen. Und auch ein Arbeitsumfeld zu finden, das eine räumliche Abgrenzung des Privatraumes ermöglicht, und auch etwas Motivation durch andere zu gewinnen, anstelle sich immer selber motivieren zu müssen in den eigenen vier Wänden. Etwas andere Stadtteile wieder zu sehen, den Horizont ein ganz klein wenig zu erweitern, den seltsamen Tunnelblick des Homeofficedaseins zu weiten, und AufsichgestelltDurchbeißen abzuschwächen.