Publié le 21 Septembre 2012

Diasporas - Musique en Partance führte mich diesmal physisch nach Avrainville, textlich - musikalisch - gedanklich auf eine Reise von Afghanistan, Pakistan, Iran, in die Türkei, nach Griechenland und schließlich nach Italien.

 

Die Geschichte des afghanischen Jungen Enaiat wurde erzählt, dessen Mutter ihn in der Überzeugung auf eine bessere Zukunft für ihn abseits der Paschtun und der Taliban bis an die afghanische Grenze brachte. Als Angehörige der Hazara, einer von den Genannten verhasste Ethnie, eine verständliche Überlegung.

 

In ergreifender, spannender Art las Olivia Kryger den auf wahren Begebenheiten basierenden Text des italienischen Journalisten Fabio Geda "dans la mer il y a des crocodiles". Sie wurde von Titi Robin und Ze Luis Nascimento auf Gitarre, Bouzouk, Laute, Rabâb, Daf, Cajón, Darbouka begleitet,

 

Eine Stunde lang saß ich wie gebannt da und folgte dem musikalischen Erzählstrom - oder war es ein erzählter Musikstrom?

Der Epilog begann mit einer Reise, die der damals 10 Jahre alte Junge mit seiner Mutter für den Jungen an die afghanische Grenze, antrat. Die erste Grenze durchbrach er, als er eines morgen erwachte und seine Mutter nicht mehr an seiner Seite war. Er wurde sich dessen gewahr, weshalb ihn seine Mutter am Abend die 3 wichtigen Dinge, die er stets im Leben befolgen sollte, mitgegeben hatte: Hände Weg von Drogen. Gib und teile mit den anderen! Durchhaltevermögen!

 

Mit einer Volute beginnend - illegale Ausreise nach Pakistan, Ausweisung aus Pakistan und Rücktransport nach Afghanistan wiederholten sich mehrfach, ging es einer unsichtbaren Richtschnur entlang nach Westen. Von unglaublicher Courage ausgezeichnet bahnte sich Enaiat den Weg. Schier unvorstellbare Erlebnisse kennzeichnen diesen - Straßenkinder, Schlepper, Leute auf der Flucht, Reisebedingungen die an den Rand des Todes führen, Kampf ums Lebensnotwenidige, ums Überleben, ein Leben in Illegalität.

 

Die Grenze in die Türkei überquerte er in einem mehr als zweiwöchigen Marsch durch die Berge. Er war einer derjenigen, die durchkamen, was nicht für alle galt. Die Gruppe der in Eis fest gefrorenen illegalen Grenzgänger muss ein Bild des Schreckens für den Jungen dargstellt haben. Zugleich waren sie seine Rettung - noch heute schließt er den, dank dessen Schuhe er ans Ziel kam, weil sie einfach noch in besserem Zustand waren als seine eigenen, in seine Gedanken ein.

 

Ja, und das hebt die Qualität des Textes hervor: denn es wird erzählt "wie es war". Kein Anklagen, kein Dazudichten. Schlicht Erzählen wie sich die Dinge ereignet haben. Die Deutlichkeit dieser Wahl der Sprache in Text und Musik kennt keine Steigerung.

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  Épopée Afghane

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Rédigé par Jutta

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Publié le 17 Septembre 2012

Der Begriff Diaspora benennt das Phänomen des Verlassens der Heimat von Mitgliedern bestimmter religiöser oder ethnischer Gruppen - mitunter wird der Begriff auch weiter gefasst - und des daraus resultierenden Lebens unter nicht diesen Bevölkerungsgruppen Angehörigen, an über den Erdball verstreuten Orten. Der Begriff weckt Assoziationen mit der jüdischen Diaspora, zumal er in diesem Zusammenhang erstmals verwendet wurde. Insofern liegt es nahe, im Rahmen des diesjährigen Festivals d'île de France "Diasporas..." Klezmer auf das Programm zu setzen. Die Musik der osteuropäischen Aschkenasim wurde während ihrer Migration von Ost nach West just durch diese Wanderbewegung mit der Musik des jeweiligen Landes entlang der Route angereichert und bereichert.

 

Yom ist ein französischer Klezmer-Klarinettist, der sich im Rahmen des Festivals an ein besonderes Experiment herangewagt hat:

Ein Konzert in 3 Teilen, das Diaspora, Wanderbewegung, und die kulturellen Besonderheiten aufgegriffen und vereint hat:

 

Der erste Teil des Konzerts führte mich in "La Dynamo de Banllieues Bleues" in Pantin. Diesen Veranstaltungsort habe ich schon bei früheren Gelegenheiten schätzen gelernt und im Blog erwähnt. Yom, Farid D, Claude Tchamitchian, Bijan Chemirani spielten auf Klarinette, orientalischer Violine, Cello, iranischer Perkussion Musik, die ich mit dem Wort mystisch beschreiben möchte. Musik, die die Weite der Wüste Sinais spürbar macht, durch die die Israeliten nach der Vertreibung aus Ägypten gezogen waren. Musik, die den Weg über das eigene Innere hin zu einer universellen Verknüpfung nachzeichnet. 

 

Im zweiten Teil des Konzerts zogen die Zuhörer mit einem Klezmerorchester von Pantin Richtung Paris - La Villette. Pantin selber ist Symbol für Diaspora - die dort ansässige Bevölkerung hat ihre Wurzeln ein wenig überall in der Welt. Wir zogen durch die Straßen, waren willkommenes Spektakel und genossen selber ein solches. Die Fenster wurden geöffnet, die Leute traten auf die Straße, klatschten mit im Rhtythmus, spielten spontan mit. Das galt in gleicher Weise für die nicht selten muslimischen Bewohner Pantins. Das waren für mich wohl die bemerkenswertesten Momente an diesem Abend: da waren alte Dünkel, Jahrtausende alte Konflikte vergessen - die Musik brachte alle zusammen, für einen Moment waren Glück und Frieden Realtät. Die strahlenden Gesichter ließen es schier unvorstellbar erscheinen, dass die Normalität oft ein anderes trägt. Umso kostbarer war dieses Konzertereignis für mich.20120914 21142020120914 21205020120914 21284320120914 213603 20120914 214432

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Der Spielzug endete entlang des Kanal Ourq beim Cabaret Sauvage. Fanfare Klezmer d'Île de France und Orchestre d'Harmonie de La Courneuve verabschiedeten sich. Im Inneren des Spiegelzelts wartete bereits Yom, diesmal mit seiner Band "Wonder Rabbis". Die musikalische Verbindung von Klezmer mit Rock, Electro und Psychodelic versetze das Publikum in Begeisterung. Fest, ein fixer Bestandteil auch der Diaspora, wurde in den Vordergrund gerückt.

Ein Abend reich an vielschichtigen Eindrücken, der mir einen anderen Zugang zu MIgration und Klezmer eröffnet hat.

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YOM

 


 


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Rédigé par Jutta

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Publié le 9 Septembre 2012

... Musiques en Partance ... ist der Titel des diesjährigen Festival d'île de France. Mein erster Konzertbesuch führte mich auf den bemerkenswerten Domaine de Villarceaux. Der Nachmittag war übertitelt New York ! . Ich wandelte von einer Konzertbühne zur anderen. von Potager, Vertugadin, Château du haut, Île aux Grenouilles zu Moulin.

 

Die New York Brass Band war schon mitten in ihrem Element bei meiner Ankunft.

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Matha Redbone beeindruckte mich vor allem mit den Liedern von den Bergen, die auf ihre indianischen Wurzeln hinweisen. The Garden of Love - Songs of William Blake prägte weiters das Programm der Folk-Soul Band.

 

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Weiter wanderte ich zu Lucia Pulido - sehr feiner Latin Jazz der kolumbianischen Sängerin. Sebastian Cruz und Edward Perez begleiten sie auf Gitarre bzw. Kontrabass.

 

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Golem - New Klezmer, Elemente des osteuropäischen Punkrock. Annette Szekiel Kogan hat mich mit ihrer Stimme und ihrem Akkordeonspiel begeistert. Aaron Diskin stand ihr stimmlich um nichts nach. Und auch die anderen Musiker seien nicht vergessen.

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Die letzten paar Takte des Konzerts der Hot Sardines bewiesen, dass das ein sehr humorvolles wie hörenswertes Programm gewesen sein muss.

 

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Tja, und Zon del Barrio - Aurora Flores und ihr Salsa-Orchester spielten auf. Und da wurde freilich getanzt! Dort traf ich schließlich auch Teresa - Salsa brachte die Spanierin in Teresa endlich möcht ich fast schreiben zum Vorschein:-)

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Das war ein Septembersonntagnachmittag sehr nach meinem Geschmack!

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Rédigé par Jutta

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