Publié le 23 Septembre 2012
Die Entdeckung dieses Sonntags war für mich der Pianist und Komponist Abdel Rahman El Bacha. Er übernahm den musikalischen Part der Konzert-Lesung. Werke von Chopin, Ravel und El Bacha sowie Briefe und Gedichte des libanesischen Malers und Schriftstellers Khalil Gibran, anstelle von Michael Lonsdale von Robin Renucci gelesen, standen auf dem Programm.
Im Gewölbe des Mönchssaales des ehemaligen Klosters Vaux de Cernay wurde das Konzert gegeben. Ein bemerkenswerter Ort.
Im 12. Jahrhundert war das Kloster gegründet worden, erlebte eine Blütezeit bis ins 14. Jahrhundert. Die Gebäude wurden am Beginn des 17. Jahrhunderts renoviert. Während der Revolution und am Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster geplündert. Schließlich gelangte es in den Besitz der Familie Rothschild. Die verkaufte in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts an einen Hotelier.
Die Umgestaltung in ein gehobenes Hotel der Gruppe „Les Hôtels Particuliers“ wurde freilich mit viel Fingerspitzengefühl unter Beibehaltung des historischen Stils und Einbeziehung der alten Bausubstanz durchgeführt. Es zieht seither allerhand sozusagen gehobenes Publikum an.
Die Texte von Khalil Gibran wurden während seines Exils in den USA und in Frankreich am Beginn des 20. Jahrhunderts geschrieben. Im Exil verfolgte er die Gräueltaten während des 1. Weltkrieges im Libanon, nebst Verbundenheit zu seiner Heimat Auslöser für seinen Einsatz für die libanesischen Flüchtlinge und der Ablehnung der Unterwerfung des Libanon.
Zurückkommend auf die Lesung denke ich, dass ich die Texte aber gerne selber lesen würde, oder zum Teil von jemand anderen gelesen hören möchte. Eine Konzertbesucherin, die so wie ich mit dem Shuttlebus von Paris gekommen war, meinte – die Stimme Renuccis sei zu wenig orientalisch, ein wenig zu kalt. Jedenfalls war mitunter eine gewisse Distanz vernehmbar. Vielleicht gewollt, um das Exil und die Entfernung von der Heimat zu unterstreichen. Denn es gab Sequenzen, die durchaus mit Wärme in der Stimme gelesen worden waren.
In keinem Fall möche ich den Ausflug in die Abbaye des Vaux de Cernay missen – denn dort wollte ich schon lange mal hin, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das ein schwieriges Unterfangen. Das Klavierkonzert alleine war den Ausflug wert. -- El Bacha war übrigens auch im Salzburger Mozarteum bereits zu hören – Mozart ist einer der Komponisten, auf die er sich spezialisiert hat. -- Und Khalil Gibran’s Schaffen wurde mir nähergebracht – sein berühmtestes Werk „Le Prophète“ wurde in 50 Sprachen übersetzt, war spirituelle Referenz und Leitwerk der Gegenbewegung in den 60er Jahren.
Das Konzert war für mich Anregung zum Weiterlesen- und Weiterhören!
Ein wenig gebe ich hier im Blog weiter:
Hier zwei Zitate von Gibran:
"Nous ne vivons que pour découvrir la beauté. Tout le reste n'est qu'attente"
"Ne pensez pas que vous pouvez infléchir le cours de l'amour, car l'amour, s'il vous trouve digne, dirige votre cours."
Weitere gibt es hier.
Und wer noch Ravel lauschen möchte....

