Publié le 12 Mai 2020
kalt und sonnig, so zeigte sich der Morgen. Die Eismaenner sind da. Und weil ich heute am Vormittag frei hatte, erlaubte ich mir einen Spaziergang an die Seine. Ich war ganz aus dem Haeuschen, den Fluss zu sehen. Ich hatte den Eindruck, dass heute weniger Verkehr und weniger Betrieb war im Vergleich zu gestern, aber freilich mehr als zu Zeiten des Confinement. Da mag ich mich taeuschen, aber auch an der Seine waren nicht so viele Leute unterwegs, wie ich es vermutet haette. Dafuer sind die Hausboote, Peniches, Batobus, Bateaux Mouches ordentlich geschlichtet am Ufer fest verankert. Die Seine ohne den sonst permanenten massiven Schiffsverkehr zu sehen war ein weiteres sehenswertes Spektakel. So wanderte ich an Grand Palais vorbei zum Fluss, streifte ein wenig durch die Morgenluft, ehe ich wieder den Heimweg antrat. Schoen war das!
Ich muss aber sagen, dass die Obdachlosen, denen ich da so begegne, irgendwie beschaeftigen. Es gibt da auch eigenartigerweise eine Abstufung. Solche, die einen Schlafsack oder sogar ein Zelt haben, eine ueberdachte Nische oder Hauseingang, die ganz duennen hageren, die etwas feisteren. Im Park neben dem Théâtre Rond Point sass ein Mann wohl aus Afrika stammend in Decken eingehuellt und ass ein paar Bissen. Es war kalt heute Frueh, und er musste bestimmt frieren. Ein paar Schritte weiter sass einer im Eingangsbereich des Grand Palais. Er sah mich mit grossen dunklen Augen an, in seine eher duenn wirkende Decke ueber den Kopf gezogen. Ich hatte meinen Fotoapparat dabei und ich denke, er war noch dazu irgendwie besorgt, dass ich ihn fotografieren koennte. Es laesst mich ein wenig ratlos, wie auf diese Begegnungen reagieren und konkret etwas tun?
Auf der Passerelle Léopold Sédar Senghor - hier ein wenig Hintergrundinfo zu dem senegalesischen Schriftsteller und Politiker - habe ich das Tanzbein geschwungen. Seht selber...
Hier ist auch noch ein Gedicht von Senghor, das mir thematisch nicht ganz unpassend erscheint:
Prière aux masques
Masques! Ô Masques!
Masques noirs masques rouges, vous masques blanc-et-noir
Masques aux quatre points d’où souffle l’Esprit
Je vous salue dans le silence!
Et pas toi le dernier, Ancêtre à tête de lion.
Vous gardez ce lieu forclos à tout rire de femme, à tout sourire qui se fane
Vous distillez cet air d’éternité où je respire l’air de mes Pères.
Masques aux visages sans masque, dépouillés de toute fossette comme de toute ride
Qui avez composé ce portrait, ce visage mien penché sur l’autel de papier blanc
A votre image, écoutez-moi!
Voici que meurt l’Afrique des empires – c’est l’agonie d’une princesse pitoyable
Et aussi l’Europe à qui nous sommes liés par le nombril.
Fixez vos yeux immuables sur vos enfants que l’on commande
Qui donnent leur vie comme le pauvre son dernier vêtement.
Que nous répondions présents à la renaissance du Monde
Ainsi le levain qui est nécessaire à la farine blanche.
Car qui apprendrait le rythme au monde défunt des machines et des canons?
Qui pousserait le cri de joie pour réveiller morts et orphelins à l’aurore?
Dites, qui rendrait la mémoire de vie à l’homme aux espoirs éventrés?
Ils nous disent les hommes du coton du café de l’huile
Ils nous disent les hommes de la mort.
Nous sommes les hommes de la danse, dont les pieds
reprennent vigueur en frappant le sol dur.
