Gelungener Wochenendauftakt im Le Vent se Lève. Le Vent se Lève ist ein Kunstraum im 19. Arrondissement, der Platz für Theater, Performance, Lesungen, Film, ... der Leuten von unterschiedlichstem Hintergrund und verschiedenster Herkunft Platz bietet.
Dank der Performance von Buto-Tänzerin Maki Watanabe und Akkordeonisten Claude Parle habe ich diesen kürzlich entdeckt. Im Gespräch mit dem künstlerischen Leiter Jean-Pierre Chrétien-Goni erfuhr ich von der Veranstaltungsserie Les Coïncidences : Jeden Freitag stehen zwischen 19h und 20h Vorführungen von maximal 15 Minuten Länge auf dem Programm, gefolgt von einem Austausch mit KünstlerInnen und Publikum auf dem Programm. Dort können beispielsweise in ungezwungenem Rahmen Projekte in progress vor Publikum getestet werden oder Auszüge aus längeren Programmen gezeigt werden.
Als ich ankam, war die Generalprobe einer Schülergruppe gerade noch im Gange. Sie haben an dem Concours "La Flamme de l'égalité" teilgenommen und das Stück über die afroamerikanische Frauenrechtlerin und Abolitionistin Sojourner Truth "Ain't I a Woman" erarbeitet. Die etwa 10 - 12 Jahre alten SchülerInnen ebenfalls mit Wurzeln aus unterschiedlichsten Ländern, haben zudem ein Video über dieses Theaterprojekt gemacht. Mit wieviel Freude und Enthusiasmus die jungen SchauspielerInnen aufgetreten sind hat mich sehr sehr beeindruckt. Und die Aktualität der Themen, für die Sojourner Truth gekämpft hat, ist ungebrochen.
Anschließend wurden 3 Videos von Siegerprojekten gezeigt: Eben das über Sojourner Truth,
" Un long chemin vers la liberté ", eine Choreographie von GymnasiastInnen aus Reims, und der Animationsfilm " N’oublie pas " eines Collège aus Orléans-Tours. Alle drei Videos haben mir ausgesprochen gut gefallen.
Weiter ging der Abend mit einer szenischen Darbietung über die Begegnung an einer Straßenkreuzung zwischen einer Nonne, die gerade das Kloster, und einer Frau, die Mann und Kinder, verlassen haben. Beide sind auf der Suche nach einem Neuanfang, und nach Wegen, das Erlebte aufzuarbeiten. Wie nach 5 Jahren im Kloster Zuhören, Frauen wieder akzeptieren und mögen lernen? Wie nach üblen Ehejahren lernen, Männer wieder zu akzeptieren und zu mögen? Eine italienische und eine amerikanische Schauspielerin hatten sich dafür zusammengetan. Work in progress, zum Teil witzig, und berührend.
Abschließend trat die spanische Künstlerin Pilar Perez auf. Sie war zwei Wochen in residence im "Le Vent se Lève". Von einem Traum während dieser Zeit inspiriert, zog sie einen beigen Handschuh an der rechten Hand an, mit einer Zündholzreibfläche versehen, und einer handvoll langen Streichhölzern in der linken Hand. Sie ging von einer Person zur nächsten im Publikum - bei mir beginnend. Jede/r nahm ein Streichholz und entzündete das an dem Handschuh. Eine Performance ohne Worte. Großartig, wie jeder anders das Streichholz nimmt, es anzündet. Die Gesichtsausdrucke dabei, und beim Betrachten der Flamme bis zum Erlöschen waren grandios. Das Feuer übertragen.
Feuer war für mich der rote Faden - la coincïdence - an diesem Abend. Die Flamme, die man in sich trägt, die manchmal erlischt und wieder neu entfacht werden muss, die Energie, die man an andere übergibt, damit sie den Kampf etwa um Frauenrechte mit einem tragen.
Ein großes Dankeschön an alle, die diesen Abend gestaltet haben!