Die Entscheidung, nicht nach Italien zu fahren, beschäftigt mich noch. Gibt mir aber auch Freiheit und Zeit für Aktivitäten, die sich zu einem sehr schönen und interessanten Samstag in Paris zusammenfügen. Gestern habe ich die Reservierung für den Proberaum für heute nachmittag abgesagt.
Vorgestern habe ich von den Masterclasses von Radio France gelesen. Mathilde Monnier, Tänzerin, Choreographin, ehemalige Leiterin des Centre chorégraphique national in Montpellier, und seit 2013 Leiterin des Centre national de la danse in Pantin - wo ich im Vorjahr für En Chair et En Son Proberäume nutzen konnte, eröffnete am Vormittag die Masterclasses.
Sie hat von ihrer Herangehensweise an die Kreationen berichtet, von wichtigen Begegnungen und Kooperationen mit Künstlern anderer Disziplnen, Reisen - sogar der Begriff Tanztourismus in afrikanischen Ländern ist gefallen - als Quelle für die Inspiration berichtet. All das hat mich sehr angesprochen. Denn selbst eine Hobbytänzerin wie ich es bin verfolgt auf dem Amateurniveau ähnliche Ansätze. Und das bestätigt und bestärkt.
Sie sprach auch von der Wichtigkeit der regelmäßigen Arbeit - täglich 1 - 2 Stunden im Studio, wo mitunter nicht viel passiert, aber eben diese Regelmäßigkeit gibt Struktur und Grundpfeilfer. Etwas, das ich im Rahmen meiner Möglichkeiten, besser integrieren sollte. Freilich habe ich kein Tanzstudio zur Verfügung. Aber jedenfalls regelmäßiger den Körper bewegen und üben, das tut sowieso dem Körper und dem Seelchen gut.
Die eineinhalb Stunden im Radiostudio sind wie im Flug vergangen. Und weil ich diese Session so inspirierend fand, bin ich noch geblieben, um über die Arbeit von Eric Ruf etwas zu erfahren. Der Schauspieler, Theaterregisseur und Administrateur général der Comédie-Française hat in unglaublich humorvoller Art und Weise vom Theater, den wesentlichen Elementen seiner Arbeit und der Herangehensweise berichtet, sodass ich in keinster Weise bereut habe, zu bleiben.
Insgesamt 40 Masterclasses hat Radio France vorgesehen, die Aufzeichnungen werden ab Anfang Juli im Radio ausgestrahlt - da werde ich wohl die Lauscher aufstellen und auch andere Masterclasses hören.
Außerdem war es die Gelegenheit, endlich das Gebäude von Radio France auch von innen zu sehen. Und im 16. Arrondissement herumzustreifen.
Nachdem ich mich mit einer Pizza und einem Eiskaffee gelabt hatte, wollte ich in den Jardin Albert-Kahn in Boulogne-Billancourt, um mein noch nicht gestilltes Fernweh nach Japan zu lindern. Um festzustellen, dass Museum und Garten während der Umbauarbeiten noch bis 2018 geschlossen sind. Hm.
Also habe ich mich mit dem Jardin de Luxembourg getröstet. Auch immer wieder erfrischend. Und noch dazu habe ich so gleich zwei Freiheitsstatuen gesehen - die an der Seine und die im Jardin de Luxembourg.
In der Orangerie de Sénat im Jardin de Luxembourg war übrigens noch die Ausstellung des Ungarischen Künstlers Rozsda mit dem Titel "Le Temps retrouvé" zu sehen. Eintritt war frei, so hab ich einen Blick geworfen. Scheint ein interessanter Mensch gewesen zu sein, wenngleich mich die gezeigten Bilder nicht so extrem angesprochen haben.
Es gibt ein ALBUM zu diesem sonningen, warmen, für mich spannenden 10. Juni 2017. Der mich auch mit Paris wieder versöhnt hat, wo ich doch zuletzt mitunter arg mit dem Leben in der und gerade in dieser Stadt hadere.