Publié le 6 Octobre 2006

Meine Lieben!

Ich geb ja zu, ich werde nachlässig ... aber neben der durchaus tagfüllenden Arbeit gibt es derzeit einfach jede Menge Organisatorisches zu bewältigen (Sofa-Kauf, Internet-Abo checken, Kühlschrank finden, der auch in die Küche reinpasst, Waschmaschine kaufen, Küchentisch und Sessel finden, Kästchen hier und Kästchen da ...)

Gestern hatte ich zu diesem Zweck einen freien Tag, aber so wirklich vorangekommen sind wir nicht - dafür hab ich alle meine Sachen soweit mal aus den Schachteln in die Kästen etc. verbracht und heute früh wurden die Leerkartons (von dieser extrem mühsamen frz. Partner-Spedition) endlich abgeholt ... die Wohnung nimmt also Formen an und wir fühlen uns von Tag zu Tag wohler.

Außerdem - das muss nun auch mal gesagt werden - hab ich einfach nichts Spannendes zu erzählen - denn die hunderste IKEA-Habitat-BHV-DARTY-etc.-Geschichte lockt auch niemanden hinter dem Ofen hervor und zu privaten Freizeitvergnügungen mit Besichtigungen und Bildchen und Erlebnissen fehlt derzeit einfach die Zeit :-(

Jutta besucht ja nun täglich nachmittags 4 Stunden einen Französischkurs dass es nur so kracht - da kann ich mit meinen 2x/Woche nur 2 Std. nicht mithalten - hausübungstechnisch bin ich aber nicht unfroh, dass ich ein wenig geschonter bin...
ES IST HART FRANZÖSISCH LERNEN ZU WOLLEN und gestern hatte ich das Gefühl, dass die es mit Brainwashing versuchen ... von wegen "man muss die Franzosen verstehen lernen um Französisch sprechen lernen zu können" ... und wer bitte kann die Franzosen wirklich verstehen, wenn die doch ihre eigene Umständlichkeit nicht verstehen... da schütteln manchmal auch meine lokalen KollegInnen (alles waschechte Franzosen und Französinnen) den Kopf, wenn's um Dienstleistungsqualität oder Bürokratie geht.

Aber wie gesagt, wir wollen nicht raunzen - schließlich sind wir ja da, um das Land und die Leute kennen zu lernen - und ach wie fad wär es, wenn alles so liefe wie daheim.
Um was wirklich Positives auch loszuwerden - der französische Mensch ist definitiv freundlicher als der österreichische Durchschnittsmensch (und das nicht immer nur aufgesetzt sondern wirklich) - raunzig und grantig erlebt man hier kaum jemanden und die sprichwörtlich britische Höflichkeit scheint - wie das sprichwörtlich britische Wetter (es regnet schon wieder) - in Wahrheit eine französische Angelegenheit zu sein.

Nun, wenn ich das Geschreibsel jetzt noch auf französisch übersetzt hätte, dann hätt ich auch schon meine aktuelle Hausübung für Dienstag unter Dach und Fach - es geht um meine Eindrücke von Frankreich und den Franzosen unter exzessiver Verwendung von Substantiven! Also liebe Moni und anderen frankophonen LeserInnen, wollt ihr euch nicht das Wochenende mit einer kleinen Übersetzungsarbeit versüßen? (Nathalie, wenn du aushilfst, dann wäre das zu perfekt und schon wieder verdächtig!)

Nun aber Schluss - wir müssen das Sofa unserer Träume noch mal "besteigen" und entscheiden ob es sich wirklich lohnt (um den Preis gehen sich ja doch ein zwei Abendessen in Paris aus ;-)

Bis denne
Michelle

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Rédigé par Michi

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Publié le 1 Octobre 2006

... und sie kommen tatsächlich!

Ich sitze also heute, schwerst erkältet, am Konsulat und warte auf wahlhungrige Ösis, die just am Sonntag ihre Stimme abgeben wollen... und so tröpferlweise schneien sie herein und wundern sich, dass man sich nicht anstellen muss.

Viel wichtiger als die Wahl ist jedoch, dass wir IN UNSERE WOHNUNG eingezogen sind.
Mit ca 1,5 Std. Verspätung ist gestern der große gelbe LKW endlich in die Oberkampf eingefahren und ruck zuck haben die Burschen mit Hilfe zweier lokaler "Schlepper" unsere tausend Kisten und Schachteln in die Wohnung transportiert - schnell mal alles zusammengebaut und aufgestellt und weg waren sie.

Wir hingegen haben dann bis Mitternacht noch ausgepackt und eingeräumt und geputzt und geschrubbt und haben völlig erschöpft unsere erste Nacht im "Eigenheim" verbracht.
Ich muss sagen, wir sind far from fertig, aber schön langsam nimmt das Wohnen doch wohnhafte Formen an - aber es ist zum Heulen wie viel Zeugs wir trotz ausmisten in Wien noch immer haben... und wie soll das bitte alles in der Wohnung Platz haben???

Heute werkelt Jutta allein an den Details und am Abend hoffen wir in der Botschaft einen Blick in die Hochrechnungen werfen zu können.
Dann müssen wir schön langsam die fehlenden Sachen organisieren (TV, Internet-Zugang, neuer Kühlschrank, Waschmaschine, Kleinkram wie Handtuchaufhängung, Lampenschirme etc etc etc...) - hoffentlich wird das keine unendliche Geschichte....

Das Gästezimmer - das nat. eigentlich unser Arbeitszimmer ist - ist so gut wie fertig ...
Liebe BesucherInnen in spe - erwartet euch bitte keine Luxus-Suite ... wir geben zu, die Kammer ist etwas klein, jetzt wo alles drin ist ... aber immer noch besser als zig Euretten für meist ebenso kleine Hotelzimmerchen zu bezahlen! (Patrizia und Andreas können ein Lied davon singen, wie minimal so manches Zimmer ausfallen kann - ja, bei uns kann man die Schuhe abstellen ;-))

So jetzt wird wieder Stimmabgabe bestätigt... draußen scheint die Sonne und viel lieber wäre ich jetzt in der Wohung; bei mir muss ja immer alles schnell und sofort gehen - also in 72 Std. fertig eingerichtet sein.

Der absolute Luxus: vis a vis der Wohnung ist ein kleiner Gemischtwarenhandel mit allerlei Obst und Gemüse und ALLEM was man dringend braucht - und der hat quasi Tag und Nacht offen (auch sonntags) und der Kerl, der da werkelt hat auch noch ein Wasserpfeifen-Lokal ums Eck - und spricht DEUTSCH! Was natürlich ein Manko ist, denn schließlich sollte man zumindest beim Einkaufen ein wenig französisch üben können...
Die Bäckerei ums Eck hat auch lecker Baguette und geniale Mehlspeisen - und überhaupt, wie bereits vorher sondiert - vom Lebensgefühl her ist die Gegend wirklich GENIAL!
Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Straßenlärm... am Freitag abend (beim Putzen) war da echt die Stauhölle los vor unserer Tür quasi ... aber heute nacht ists ganz gut gegangen mit offenem Fenster.

Soweit die ersten Eindrücke.. wir melden uns wieder!

Liebe Grüße an alle treuen LeserInnen
Michelle

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Rédigé par Michi

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Publié le 27 Septembre 2006

Liebe Leut!

Heut muss ich mal jammern - ich bin grantig!
Erstens nervt heute schon den ganzen Tag die Willkür der Obrigkeit und zweitens bin ich beleidigt, weil heute eine nicht uninteressante Buchpräsentation in der Botschaft stattfindet und ich nicht geladen bin (nicht mal zum Arbeiten) - dabei ist ER da - OMAR SHARIF!!!!

Ob das darauf zurück zu führen ist, dass ich mich beim ersten Empfang meines Lebens gleich mal von oben bis unten mit Champagner angeschüttet hab und dann wie ein nasser Pudel zweifelhafte Konversation geführt habe???
Egal - ich bin beleidigt.

Naja stattdessen muss ich heute die Amtswohnung "ins Reine" bringen und Koffer packen und bügeln und und und... und hab sowas von keine Lust.

Außerdem hat heute mein Vermieter angerufen, dass nun die EDF in der Wohnung den Strom ABGESCHALTET hat (von wegen problemlose direkte Ummeldung) - und wer weiss ob das bis Freitag geregelt werden kann - wir werden mal Kerzen einkaufen und uns ein schummrig romantisches Wochenende machen... Ganz so tragisch ist das aber nicht, weil ja sowieso kein TV im Haus und kein Internet und kein Telefon und nix im Kühlschrank, also wozu Licht wenn es rundherum nette Lokale gibt (und ich sowieso am Sonntag arbeiten muss).

Weiters muss ich mich kurz noch in Juttas Namen über die hiesige Arbeitsmarktverwaltung beschweren. Zuerst wird sie vom allg. Arbeitsamt in die hiesige "Reschgasse" - also zu den "Cadres" (Akademikern) geschickt, dort nehmen sie alle Daten auf etc etc. und heute erhält sie einen Anruf, dass sie doch kein Cadre ist, weil sie vorher noch nie in Frankreich gearbeitet hat... und alles scheint wieder von Vorne zu beginnen....
So ist das also in Frankreich: man ist nur dann Akademiker wenn man in Frankreich gearbeitet hat - seltsam seltsam - ob das EU-Konform ist...

Über diese EU kann ich mich auch noch gleich beschweren, wenn ich grad so in Fahrt bin .. zuerst große Einigkeit und Gemeinschaft und Niederlassungsfreiheit und Bliblablo... und dann kommen zuerst mal die Ösis daher und wollen seit dem neuen FPG (Fremdenpolizeigesetz - wie das schon klingt - dabei sind die Fremdenpolizisten doch meist die Gesetzlosen) müssen sich auch EU-Ausländer um eine Aufenthaltskarte bemühen (ob das die Bezirksverwaltungsbehörden schon wissen?)
Naja und jetzt kristallisiert sich heraus, dass auch in Frankreich seit August EU-BürgerInnen die länger als 3 Monate hier bleiben wollen, sich irgendwie registrieren müssen - aber offenbar weiss das auch im Innenministerium noch keiner so genau wie das funktioniert und die Formulare gibt es auch noch nicht. Mich persönlich betrifft das ja nicht, denn ich hab meine "Carte de Sejour speciale" mit Dilpomatenstatus - endlich erhalten - und bin damit sowieso super aus dem Schneider und so immun, dass ich vom grassierenden Virus (jeder zweite hier an der Botschaft ist krank) noch nicht befallen wurde.

So jetzt fällt mir ad hoc nichts mehr zum Aufregen ein ... drum geh ich ans Bügelbrett... muss mir aber ein Bügeleisen ausborgen, da mein nettes kleines Reisebügeleisen das exzessive Anzüge- und Blüschenbügeln nicht überlebt hat... (Mama du kannst Onkel Reinhold ausrichten, dass es immerhin über 15 Jahre lang gute Dienste erwiesen hat - ich hab das mal von ihm zu Weihnachten bekommen)

Aus, Schluss - heute ist Nordpoltag in Wien und ich wär gern dabei und grüße hiermit aller NordpolesInnen recht herzlich...

Bis zur besseren Laune (die das Wahlergebnis nicht bringen wird, schätze ich)
Michi

 

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Rédigé par Michi

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