Publié le 6 Avril 2016

Tacuabé war dank einer Connection zu einer Professorin in Stains heute nachmittag für eine Performance in der Cité Jardin zu Gast. Diese war als Beitrag zu der Projektarbeit der Schulklasse mit Kunstschwerpunkt gedacht. Bereits im Vorfeld war die Tanzform Buto Gegenstand von eher theoretischer Seite im Unterricht bearbeitet worden, den anschaulichen Aspekt brachte Tacuabé ein.

Sonntag nachmittag waren wir nach Stains gefahren, um die Cité Jardin zu erkunden. Stains ist die zweitärmste Gemeinde im Département Seine Saint-Denis, nur 6 km entfernt von Paris. Der "93" insgesamt umfasst fast ausschließlich Gemeinden, die in hohem Maß mit Arbeitslosigkeit, Armut, sozialen und gesellschaftlichen Problemen, Kriminalität und Radikalisierung zu kämpfen haben. Die Lokalregierungen sind meist eher überfordert angesichts dieser Herausforderungen und resigniert vielfach. Der Staat bietet hier ebenfalls keine Lösungen. Die Wohnsilos und sich endlos ziehenden Wohnblöcke, von denen manche als gesetzesfreie Zone gelten - weil dort nämlich die eigenen zählen - , wurden zumeist in den 60er und 70er Jahren für die wachsende Bevölkerung oft mit Migrationshintergrund errichtet. Der französische Ansatz, die Zuwanderer möglichst in einem eingegrenzten Gebiet - Ghetto könnte man sagen - zu fassen und nicht auf Durchmischung zu setzen, stellt sich - was Wunder - als suboptimal heraus. Die Chancenungleichheit für Leute aus dem 93 ist frappierend. Ihnen bleibt oftmals als einziger Ausweg Drogenhandel, Kleinkriminalität, und Radikalisierung. Dabei war hier einst florierendes Gewerbe und Industriegebiet, wo Leute in der Glasverarbeitung, Goldmacherei, Metallurgie, Automobilindustrie etc. Beschäftigung fanden. Christofle hatte beispielsweise in Stains seine Niederlassung.

Ich erinnere mich gut an eine Ö1 Reportage über die Métro Linie 7, die im Norden in Courneuve im 93 endet, wo Wohnsiedlungen beschrieben wurden, in die selbst bei Tag einen Fuß zu setzen ein Abenteuer darstellen kann und Überwindung bedarf. Jedenfalls ist rasch klar - da fühlt man sich und ist irgendwie fehl am Platz.

Die Cité Jardin ist viel früher entstanden, nämlich in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, im Sinne der Bewegung der Gartenstadt, die in Großbritannien ihren Ausgangspunkt hatte, und deren Ziel es war, einerseits autark funktionieren zu können, und der wachsenden Arbeiterschaft bessere Wohngegebenheiten zu schaffen. Kleine Häuser und Wohnbauten mit humaner Größe sind von Grünflächen und Hausgärten durchzogen. Die eher humane Größe und das Konzept der Gartenstadt scheint besser zu funktionieren als die Stadtplanungskonzepte aus den 70er Jahren. Von den kurzen und freilich oberflächlichen Eindrücken, die ich Sonntag und heute gewinnen konnte, ist die Bevölkerung mit der Siedlung und untereinander verbunden. Ein eher sorgsamer Umgang mit den Einrichtungen in der Siedlung, aktives Geschäftsleben (es gibt direkt benachbart eine Siedlung, wo alle Geschäfte aufgegeben worden sind, bis auf eine Bäckerei), und vor allem ein sozialer Kontakt und Aktivitäten spürbar sind. Es gibt direkt in der Siedlung einen Theater/Konzertsaal, unweit davon ein Theater. Den Gerüchten nach werden die Bewohner der Cité Jardin die Bourgoisen genannt.

Es gibt in der Île de France noch weitere Gartenstädte, die sich für eine Erkundungstour anbieten. Aber zurück nach Stains.

Heute wurden wir im "mémoires de cité jardin" von Charlotte empfangen, wo wir unsere "homebase" hatten, um uns auf den Performance-Parcours vorzubereiten. Dort befindet sich der Sitz des Regionalvereins der Gartenstädte in Île de France.

Die SchülerInnen, rund 17 Jahre alt, waren ein hervorragendes Publikum, haben am Ende bei einer kleinen "Konferenz" Fragen gestellt, ihre Eindrücke geteilt.

War wirklich ein aufregendes, spannendes, bereicherndes, aufwühlendes Erlebnis, den 93 ein wenig zu erforschen, und dort im öffentlichen Raum aufzutreten.

Am Ende hat mich sogar eine Frau angesprochen, die mit Kopftuch gemeinsam mit einer anderen Frau auf einer Bank saß und den letzten Teil der Performance beobachtet hatt , was das denn gewesen sei. Das hätte ihr gut gefallen. Schön und berührend eine solche Rückmeldung zu bekommen.

Stains
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Rédigé par Jutta

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Publié le 1 Avril 2016

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Publié le 28 Mars 2016

Anais Lelièvre schickt CLOC auf Reisen, unter anderem nach Österreich, genauer gesagt zum Schloss Schönbrunn.

Dank Michi gibt es eine geniale Dokumentation. An der Stelle darf ich auf den Artikel "Sissi in der CLOC" in dailyzeile verweisen.

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