Une chambre en Inde, das neueste Stück von Ariane Mnouchkines Théâtre du Soleil in der Catoucherie, war Anlass, dass ich endlich diesen Punkt von meinem Frankreichwunschzettel erfüllen konnte. Die Kenner und Fans kommen bereits ab 15h, um gute Plätze zu ergattern (denn es werden die Plätze vor Ort und je nach Eintreffen zugewiesen). Außerdem kann man bei den Vorbereitungen, beim Schminken zusehen, den Dekor bewundern, sich laben. Sobald man in das Théâtre du Soleil eintritt, meint man sich tatsächlich in Indien zu befinden. Eine große Wand vollständig mit Buddhastatuen bemalt, Beleuchtung, Blumen auf den Tischen, die Bekleidung der Personen im Ensemble im weiten Sinn. Rachele, Stefano und ich ergatterten Plätze in der letzten Reihe, leider etwas fern von der Bühne, und mit einer Querstrebe im Blick bei den Szenen am hinteren Bühnenrand.
Madame Mnouchkine persönlich begrüßt das Publikum als Kartenabreisserin!
Das Stück selber, vordergründiges Thema ist eine Suche nach einer Eingebung für ein Theaterstück, streift das breite Spektrum an aktuellen Themen unserer Zeit: Terrorismus, Islamischer Staat, Syrienkrise, Umwelt, Klimaerwärmung, Rolle der Frauen in der Gesellschaft, Religionszwist, Globalisierung, Orientierungslosigkeit und Sinnsuche, Medien(miss)information und Unvermögen politische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, sinkendes Kulturbudget... Das etwa dreieinhalb Stunden dauernde Stück führt die Zuschauer in einem ständigen Wechsel zwischen möglichen Themen und möglichen Szenen des zu kreierenden Stückes, in die Gegenwart der von der mangelnden Kreativität geplagten Theatermacherin und in Auszüge aus der Mahabarata in verschiedene Welten. Die Gewalt in verschiedenster Ausprägung wird durchaus direkt gezeigt. Das Ende des Stückes bildet die Brandrede an Verständnis über alle Grenzen hinweg, in einer an IS Videos erinnernden Inszenierung und Kostümierung.
Das etwa 25 köpfige Ensemble ist bunt gemischt aus verschiedensten kulturellen und religiösen Hintergründen kommend zusammengesetzt. Wie farbenfroh und vielfältig wird freilich während des Stückes schon deutlich, und nochmal am Schluss bei der Verbeugung, wenn sie alle aufgereiht dastehen. Der Musiker mit seinen beiden Assistenten setzten das Stück mit unzähligen Instrumenten musikalisch großartig in Szene. Die Kostüme, so bunt und vielfältig, haben mich schwer beeindruckt.
Während des Stückes passiert so viel, dass ich das Stück fast ein zweites Mal sehen müsste. Ein wenig an die heutige Medienkonsumation erinnernd, wo man beim Scrollen durch News und Postings durch Themen springt. Manche traditionelle indische Theaterformen seien wohl ähnlich aufgebaut mit kurzen Sequenzen zu einer großen Themenfülle, lese ich in Artikeln. Manche Szenen erinnern an Bollywood-Filme und Slapstick und Clowns. Sogar Shakespeare und Tschechow kommen vor.
Manches hat mir sehr gut gefallen, manches weniger, manches verstehe oder erkenne ich aus Unwissenheit nicht.
http://www.journal-laterrasse.fr/une-chambre-en-inde/
http://www.theatre-du-soleil.fr/maillist/maillist/LaLettre/edito.Dec16/edito.2312.html
http://www.journal-laterrasse.fr/une-chambre-en-inde-3/
http://www.lemonde.fr/scenes/article/2016/11/24/la-solaire-comedie-d-ariane-mnouchkine_5036879_1654999.html
https://www.franceculture.fr/emissions/linvite-culture-de-la-matinale/ariane-mnouchkine-12-le-theatre-doit-eclairer-le-monde