Sonntag hatten wir in der absolut empfehlenswerten Caféothèque de Paris mit Tacuabé ein abschließendes Treffen nach unseren Proben in den Arènes de Lutèce. Wir haben den Ablauf des diesjährigen Parcours festgelegt, ein wenig mit Lesly und Alexandrej geprobt, die sich auch erst an den Umstand gewöhnen müssen, im Freien zu spielen. Im Detail ist noch etliches zu tun, die gemeinsam vorgesehene Zeit ist allerdings eher knapp. Und die Autorisation der Mairie ist auch noch ausständig. Nun, wir sind zuversichtlich, dass es gut und positiv wird. Gemeinsam gingen wir dann zu Tag 3 des Workshops von Lorna in micadanses.
Montag wäre der Hunger auf mehr Bewegung da gewesen, zumal der Körper sich allmählich wieder darauf eingestellt hat. Aber es war Arbeitstag, der auch vorbeigegangen ist, und ein Tag mehr, um die anstehenden Veränderungen zu verdauen. In der Schweiz kamen direkt Reaktionen auf die Umorganisation - ein in der Schweiz zentraler Kollege hat Kündigung und Ankündigung, zur Konkurrenz zu gehen wahr gemacht.
Dienstag wurde ich von meinem Chef zu einem 1:1 per Telefon aufgerufen. Er hat mit angeboten, an einem Projekt mitzuarbeiten. Die Rolle des Scrum-Masters sei abzulösen in dem Projekt, das seit einiger Zeit läuft. Eine sehr willkommene Gelegenheit für mich. Der Rest der Woche war dann mit Einarbeiten und Teilnehmen an ersten Meetings geprägt.
Er hat mich auch direkt gefragt, was mit mir los sei. Vorsicht Falle, dachte ich mir. Es wird mir sehr fehlen, dass ich Personen des Vertrauens in der Firma hatte, was nun weniger und weniger der Fall ist.
Jedenfalls hoffe ich, dass meine Initiativen für Teilnahme an dem Kundenprojektrollout in den USA und eine interne Bewerbung in ein anderes Team weiterverfolgt werden. Für ersteres habe ich diese Woche einen Kontakt in den USA dank meines Arbeitstages in Norwalk kontaktiert. Er meinte, er hätte ein gutes Wort für mich eingelegt.
Dienstag abend Studio Keller - Barre au Sol und anschließend Improvisation -, diesmal in eher kleinem Kreis, und was hat das gut getan!
Mittwoch - Arbeitstag. Abends: "Scintillations" in der Rue des Frigos / Les Voûtes. Sehr geniales Stück von Léone Cats und dem Künstlerkollektiv.
Donnerstag - Abschiedsemail des Kollegen - da er zur Konurrenz geht ist der Austritt aus der Firma natürlich schnell da.
Buto-Festival in TENRI ist noch im Gange. Maki Watanabe, zu einer Choreographie von Gyohei Zaitsu. Maki war großartig!
Freitag - Abschiedsemail des Kollegen, für den ich die Mission im Produktmanagement übernommen habe. Nun, er ist weg, und meine Mission wohl hinfällig.
Ich habe erfahren, dass ein unmittelbarer Kollege in Paris entlassen wird. Es geht also weiter. Und insofern bin ich froh, dass man mir die Mitarbeit in dem Projekt angeboten hat, denn wer nicht ausgelastet ist, rückt so vermute ich unweigerlich nach oben auf der Liste der Kandidaten, die gehen müssen. Letzter Hafen der Zuflucht - wenn man seinen Job so weit bisher gut macht, ist man vielleicht nicht gleich erste Wahl auf der Liste. Diese Situation in der Firma ist mehr als unerfreulich.
Abends - FußballWM Portugal gegen Spanien im portugiesischen Café ums Eck. Also ich hab mir die erste Halbzeit angesehen, und bereue, dass ich nicht die zweite Spielhälfte auch angesehen habe. Da sind nämlich noch 3 Tore gefallen. Ich mag die Stimmung sehr, wenn alle mitfiebern. Wird nicht mein letzter Besuch in dem Café gewesen sein.
Samstag - müde, lost in space, und doch irgendwie wieder ein paar Fäden für meine weiteren Pläne aufgreifend.
Den Plan, ein Projekt bei dem Butofestival in Italien einzureichen, werde ich eher begraben. Obwohl ich gerne diesen Ausflug mit ein paar Tagen Urlaub in Neapel verbinden würde. Irgend etwas hält mich zurück. Vielleicht sind es andere Projekte, die ich aufbauen möchte? Projekte, wo ich weniger von Zufällen und der Gnade der Jury abhängig bin, was die Musik anbelangt?
Aber es wäre die Gelegenheit etwas auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln. Es braucht aber auch Energie und Freiheit für Kreativität. Und momentan fühl ich mich aufgrund der Arbeitssituation eher bedrückt.
Anne hat ihre Ausstellung in dem Psychoanalyse-Cabinet eröffnet. Ich war dort und bin sehr froh für Anne, dass die Ausstellung zustande gekommen ist. Sie ist auch sehr gelungen. Und die Atmosphäre in dem Cabinet ist angenehm, insofern war ich relativ lange dort.
Nun ist wieder Sonntag. Haushalt ruft - zumindest ein bisserl. Die Wohnung ist auch ein Thema, das immer schlimmer wird. Ich müsste mich aufraffen, Generalreinigen, Ausmisten, Ausmustern, Ballast abwerfen, der Wohnung einen frischen Touch verleihen. Manchmal hätte ich gern einen Engel, der mich antippt und mir Antrieb dafür eingibt.