Publié le 24 Novembre 2018
Sechs Tage war die Jutta krank, jetzt läuft sie wieder, Gott sei Dank.
Hoffentlich jedenfalls.
Tag 2 nach dem Krankenstand war unter anderem dem Marsch gegen Gewalt gegen Frauen gewidmet - wegen der Manif der Gilets Jaunes, die momentan in Frankreich ziemlich für Aufregung sorgen, musste der Startpunkt der Demo verlegt werden. Einschub zu Gilets Jaunes. Der Charakter der Selbstjustiz und die selbstgegebene Macht der TeilehmerInnen, eine Mischung aus den Lagern rechts außen und links außen, deren Ausgangspunkt die Kritik an der Steuerpolitik ist, und die den Steuerzahlen durch gehäufte Polizeieinsätze ich weiss nicht wie viel kosten, und noch dazu bereits Menschenleben gefordert hat und hunderte Verletzte verursacht hat, regt mich wiederum auf. Weniger Steuern bzw. keine zusätzlichen Steuern wären mir auch nicht unangenehm, aber so nicht. Vor allem fürchte ich, dass die Rechten aus dieser Bewegung Kapital schlagen werden.
Aber bei dieser Gilets Jaunes Demo war ich eben nicht - war zum Glück auch nicht wirklich in der Nähe - ich lese von Tränengaseinsatz und Wafferwerfern nach Ausschreitungen auf den Champs Elysées.
Die Gewalt gegen Frauen hat eindeutig weniger TeilnehmerInnen mobilisiert als die Klimademo vor ein paar Wochen. Laut Polizei 12000, laut Veranstaltern 30000 Personen, waren an diesem hochnebeligen Samstag nachmittag durch Paris marschiert. Die vorgebrachten Anliegen sind nicht minder wichtig, und angesichts steigender Statistiken was Gewalt gegen Frauen und Sexismus angeht, hoch aktuell. Insofern fand ich es schade, dass ich nicht lange bleiben konnte, weil ich mich mit Anne und Nadja verabredet hatte.
Das durch die Medien gegangene Gerichtsurteil in Irland, das in einem Prozess wegen Vergewaltigung die Frau kulpabilisiert hat mit der Begründung sie hätte ja einen Stringtanga getragen, und für den Angeklagten mit Freispruch endete, wurde bei der Demo ebenfalls mehrfach aufgegriffen.
Ich las auf einem der Transparente: "ich träume von einer Welt, in der ich nicht mehr mit diesem Transparent demonstrieren gehen muss."
Jedenfalls zog ich weiter, um Nadja und Anne beim mk2 Quai de la Loire zu treffen. Wir tratschten über dieses und jenes, und sahen uns dann den Film "Les Chatouilles" von Andréa Bescond und Éric Métayer an. Andréa Besconds autobiografische Geschichte erzählt, wie sie den Missbrauch durch einen Freund der Familie in ihrer Kindheit aufarbeitet. Tanz und Psychoanalyse spielen dabei eine wesentliche Rolle. Absolute Filmempfehlung! Zum Trailer.

