was seit ein paar Wochen in Europa und in der Welt passiert, hat man noch kaum zu meinen Lebzeiten erlebt.
Ein Kollege aus Mailand beschreibt seine Einkaufstour wie folgt: er stattet sich mit einem Klappsessel, Trinkflasche und Sandwich aus und begibt sich etwa 3 Stunden lang in die Warteschlange. Ist er endlich im Geschäft, sind viele Regale leer und Güter, die man bräuchte oder kaufen wollte ausverkauft, und man kann sich kreativ an dem bedienen, was noch da ist. Manche meinen, vegane Lebensmittel seien weniger schnell ausverkauft.
Warum kauft er nicht online? Weil die Online Shops der Supermärkte völlig überlastet sind und man auch dort in eine Warteschlange gereiht wird. Ähnliches berichtet ein Kollege in den UK - regelmäßig bricht die Webseite zusammen und das Aufgeben einer Bestellung hat ihn unlängst in etwa 2 Stunden gekostet.
Die Kollegin in Frankfurt berichtet ebenfalls von Warteschlangen vor den Geschäften. Leute in den Vororten oder am Land haben so scheint es noch etwas entspanntere Einkaufssituationen. Ich gehe etwa ein Mal pro Woche zum Einkaufen und hab diese jedenfalls bisher wie immer erledigen können.
Das Gesundheitssystem kollabiert in etlichen Ländern mehr und mehr. Frankreich inklusive. Vor allem in den Regionen mit höherer Zahl an Erkrankten wie im Osten Frankreichs nahe der deutschen Grenze, oder nun auch Île de France, sind die Beatmungsgeräte und Intensivbetten bei weitem nicht mehr ausreichend. Man liest davon, dass manche Personengruppen ab einer gewissen Altersgrenze schlichtweg nicht mehr bearbeitet werden, und diese Altersgrenze geht nach unten. Findige Menschen aus der Lombardei versuchen nun Tauchermasken zu Beatmungsgeräten umzufunktionieren.
Aber auch Medikamente und sonstiger Krankenhausbedarf sind zunehmend nicht mehr verfügbar. Von Schutzmasken einmal ganz abgesehen. Eine Situation und Zerreissprobe unfassbarer Natur.
Die Belastung für das Personal ist unvorstellbar. Und da diese Berufsgruppe extrem exponiert ist, zählt sie leider sehr oft selber zu den Betroffenen, sei es, dass sie erkrankt oder sogar am Virus verstorben sind.
In Paris fliegen normalerweise wenig Hubschrauber. Und wenn sie fliegen, bedeutet das mitunter nichts Gutes: die Hubschrauberflüge, als die Attentate waren oder gewalttätigen Demonstrationen, sind mir noch sehr präsent. Tour de France, Paris Marathon und 14. Juli bilden natürlich erfreuliche Ausnahmen. Dennoch breitet sich in mir eher ein unangenehmes Gefühl aus, wenn ich Hubschrauber höre. Was nun wieder vermehrt der Fall ist - etliche davon sind Krankentransporte, für die auch Militärhubschrauber eingesetzt werden, die Kranke in Provinzkrankenhauser transportieren, wo eventuell noch mehr Kapazitäten vorhanden sind und Patienten aufgenommen werden können. Allerdings wird die Epidemie in ein paar Tagen, vielleicht 2 oder 3 Wochen, auch in diesen Regionen verstärkt angekommen sein. Die Bevölkerung vor Ort wird dann auch medizinische Betreuung benötigen.
Man liest auch von Überstellungen in deutsche Krankenhäuser, oder sogar nach Salzburg, so las ich unlängst.
Ein Bekannter von mir wohnt im 15. Arrondissement nahe eines Krankenhauses und beobachet diese laut seiner Facebook Postings mit entsprechender Beunruhigung.
Auch per Bahn werden die Kranken überstellt. Da der Personenbetrieb auf der Bahn quasi zum Stillstand gekommen ist, werden die Züge nun zu einer Art rollendem Lazaretten umfunktioniert.
Während meiner Ausgänge sehe ich immer wieder Rettungsauto mit Blaulicht durch die Stadt fahren, was sie zwar sonst auch tun, dennoch wirken diese ganz anders in der aktuellen Situation und prägen sich noch mehr ein als Sichtbarwerdung von Leiden, Krankheit, Tod, Urgenz, Entscheidung zwischen Leben und Tod, Ohnmacht angesichts der weltumspannenden Krise.
Die Wirtschaft bricht ein, und gleichzeitig hat sich längst der digitale Kapitalismus in Stellung gebracht, der Wirtschaft, Arbeitswelt, Gesellschaft und Sozialleben noch stärker und vielleicht sogar nun beschleunigt verändern und beeinflussen wird.