Publié le 13 Avril 2020
schon vor 5 Uhr in der Früh bin ich aufgewacht, keine Ahnung warum. Ich hab dann ein wenig Zeitung gelesen und gedöst, ehe ich zu meinem schon üblichen morgendlichen Ausflug kurz nach 6 Uhr aufgebrochen bin. Diesmal schweifte ich nicht weit aus, zu schön war der Gesang der Vögel im Park. Ein paar bekannte Gesichter waren wieder unterwegs, zogen ihre Laufrunden durch die recht ruhige, quasi straßenverkehrslose Stadt. Da schreckt man fast auf und dreht sich um, wenn ein Auto forsch daherkommt, plötzlich anhält, und einen jungen Mann aussteigen läßt. Etwa ein Uber? Im Confinement?
Weiter ging es, am Gitter der bukolischen Parklandschaft mit Vogelgesang entlang. Ich konnte mich nicht satt hören. Wie wäre es mit einem kleinen morgendlichen Tänzchen? Danach streifte ich ein wenig in Allée Louis de Funès zum Laufen. Was nicht so schlau war, denn seit zwei Tagen habe ich einen Schmerz am oberen äußeren Beinende - könnte ein beleidigter gluteus medius sein, der gestern besser war, und jetzt wieder mehr spürbar ist.
Vor den Toren des Parks in der Avenue van Dyck hatte sich ein Mann zu einer Stehmeditation eingefunden, und ein jüngerer mit seiner Gymnastikmatte zum Training eingefunden.
Auf einem Gebäude an der Avenue de Courcelles beobachtete ich eine Katze, die auf dem Dachgesimse spazierte, was doch eher unverantwortlich ist und Katzenfreunde vermutlich gar nicht gut finden.
Eine junge Frau in sexy Outfit fuhr mit einem alten, klapprigen Rad etliche Runden um den Häuserblock.
Eine blühende Glyzinie rankt sich Rue Rembrandt quer über mehrere Häuserfassaden bis in den zweiten Stock.
Die Reihe der sonnigen Frühlingstage scheint seine Fortsetzung zu finden. Wenngleich es gestern nachmittag ein wenig gewittert und geregnet hat. Das frühlingshafte Wetter läßt Bäume, Sträucher, Blumen sprießen. Irgendetwas animiert auch meine Allergie, und so jucken meine Augen mitunter so arg, dass ich nicht anders kann als Augen reiben. Was man an sich nicht machen sollte und jetzt umso weniger.
Wieder zu Hause von meinem Spaziergang gab es nach der Dusche eine Meditationssession und dann Frühstück! Zu meinem Erstaunen war es bereits 9 Uhr.
Gestern abend habe ich mit Ursula und Felix geplaudert, war super nett, ein kleiner Besuch bei Freunden sozusagen. Ich habe Felix eine Wohnungsführung mit der Laptopkamera gemacht.
Wann werde ich mich endlich aufraffen auszumisten?
Mit Anne hatte ich gestern am Nachmittag einen ersten Versuch gestartet für ein Tanzduo über Zoom. Nach und nach haben wir uns in dem für uns ungewöhnlichen Setting mehr und mehr zurechtgefunden. Wir waren freilich einer Meinung, dass es einem erst ganz bewusst wird, wie sehr viel mehr vom Körper vermittelt und ausgestrahlt wird, was im Videochat bei weitem weniger oder nicht wahrnehmbar ist. Zum Glück kennen Anne und ich uns einander schon lange vom Tanz, und diese gemeinsamen Erinnerungen könnten uns dabei dienlich sein. Anfangs fixierten wir überwiegend den Bildschirm, was nicht gerade ideal ist, wir gewannen zunehmend Freiheit, bewegten uns im Raum und veränderten die Position und Ausrichtung zum Bildschirm, was so meine ich gut war.
Eine interessante Erfahrung, die wir gerne demnächst wiederholen wollen.
An einem Poesiekettenbrief habe ich mich beteiligt. Ich habe eines von Friederike Mayröcker gewählt und sozusagen geschenkt.
Ich warte noch auf poetische Post ...
Tacuabé numérique geht in die zweite Runde. Ich habe das Osterwochenende genützt und habe mir die Videos von Cécile, Fred und Chapô angesehen und ihnen wie vereinbart Rückmeldung gegeben. Wir verwenden ein Schema mit 3 Fragestellungen - was habe ich gefühlt, was hat mich am meisten gepackt, ein Vorschlag oder eine Idee eine Passage anders auszuprobieren. Mittwoch wird wieder geskypt.
Inzwischen geht die Epidemie weiter, die Menschen erkranken und sterben, in manchen Ländern so wie Österreich und sogar ein wenig in Italien und Frankreich mit einem leicht verlangsamtem Ausmaß. In Frankreich kann man zwischen den Zeilen herauslesen, dass das Confinement vermutlich noch um mindestens ein Monat verlängert wird. Der Präsident wird heute in seiner Rede vermutlich dazu Stellung nehmen. Wie das Déconfinement aussehen könnte stellt viele Staaten vor eine keineswegs einfache Aufgabe. In Österreich dürfen kleine Geschäfte nach Ostern wieder aufsperren, und Baumärkte. Die Maskenpflicht wird in Österreich beibehalten.
Die schlechte Vorbereitung von den meisten Ländern auf eine nicht unerwartet kommende Coronapandemie ist ernüchtern, und trifft auch auf Länder wie etwa die Schweiz zu. Selbst Warnhinweise gegen Jahresende / am Jahresanfang von Ärzten und Wissenschaftern wurden von Politik und Wirtschaft verschwiegen bzw. ignoriert. Hätt i war i. Es ist wie es ist und hoffentlich kommt die Epidemie bald zum Abflauen. Verschwinden wird das Virus nicht, vielmehr weiter darauf warten sich wieder stärker auszubreiten und weiter zu mutieren. In manchen asiatischen Ländern liest man, dass die zweite Welle beginnen dürfte.