14. Juli - Nationalfeiertag in Frankreich! Ein halbwegs sonniger Tag, Nette Stimmung in der Stadt. Ich habe Sophie und ihre Freundin aus Amerika getroffen - die beiden - 17 bzw. 18 Jahre alt - sind auf Interrailtour und machen in Paris Station. Ihre besorgten Eltern sind Bekannte von Anna, die bei mir angefragt hat, ob sich die beiden Mädels eventuell bei mir melden dürfen. War ganz fastiziniert von den beiden - voll alles geplant und organisiert und dank Internet und Mobiltelefon ist man sowieso always on. Was kann man da noch ergänzen und an Geheimtipps geben? Und wenn der Eurostar nach London nicht im Interrailticket inkludiert und zu teuer ist, bucht man kurzerhand einen Flug.
Die beiden waren sogar bei der Militärparade auf den Champs Elysées, und wollten am Abend zum Feuerwerk beim Eiffelturm. Ich war knapp daran, ihnen davon abzuraten. Bin aber selber mit Rachele, Andrea und Stefano zum gegangen. Hector Berlioz "Symphonie fantastique" in einer modernisierten Fassung wurde im Parc Chapeau Rouge gegeben. War super nett - in der Wiese hocken, Konzert lauschen, bei dem sich die MusikerInnen zum Teil auch ins Publikum gesellt haben, Blick vom Hügel auf die Île de France. Im Park gab es übrigens keinerlei Sicherheitskontrollen, was leider schon als Ausnahme erwähnt werden muss.
Wir waren anschließend im Le Danube, einem ausgesprochen netten Lokal im 19. Arr., wo sich auch der Dirigent und ein Teil des Orchesters später eingefunden haben.
Der Abend war länger als gedacht, und so kam ich gegen halb 12 nach Hause.
Wurde dann kurz vor 4h von einem SMS des Außenministeriums über das Attentat in Nizza informiert. Peinlich oder gut für mich - ich bin nur kurz aufgewacht, hab mir gedacht komisch, SMS, hab aber nicht die Brille aufgesetzt und gelesen, und weitergeschlafen. Das Lesen hab ich in der Früh nachgeholt, und da ist mir gleich alles runtergefallen, inklusive Tränen.
Im Büro war wegen des Fenstertages und der Ferienzeit sowieso Schmalbesetzung. Es wurde ein Mail-Tree aufgemacht, um festzustellen, ob alle inklusive der Angehörigen wohlauf sind. Alle haben sain et sauf geantwortet.
Angesichts solcher Ereignisse kann man nur sprachlos sein.
Am 14. Juli, Ferienzeit, wo die Familien unterwegs sind! Das erklärt auch den hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen, die ums Leben gekommen sind oder verletzt worden sind.
Ich habe kaum die Berichterstattung im Detail verfolgt. Will nicht wie nach dem 13. November wieder völlig in diesem Medienberichtsbad untergehen. Dass nun Fragen nach Hergang, nach Motivation und Hintergrund gestellt werden ändert nichts an den Auswirkungen dieser sinnlosen Tat, mit dem LKW möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen. Auswirkungen unmittelbar, und mittelbar. Schmerz, Trauer. Verlängerung des Ausnahmezustandes. Einschränkung von Freiheit. Schlag gegen Lebensfreude. Absage von Festivals.
Gerade eben aufgeatmet nach der EURO 2016 - guat is gaunga nix is gschegn - zack! Nizza!
Und dann kam gestern abend gleich die nächste Hiobsbotschaft von dem Putschversuch in der Türkei, wo wieder Menschenleben zu beklagen sind. Mit internationalen Auswirkungen, die Dimensionen kann ich gar nicht einschätzen.
In Wien war es spontan zu Demos in der Nacht gekommen.
Ich wollte im November in den Iran reisen. Ich überleg mir das noch einmal gut.
Traurig, ratlos, müde angesichts allgegenwärtiger Gewalt.