Le 17ème
Publié le 12 Juillet 2009
[Gastbeitrag #3]
Seit ziemlich genau zwei Monaten ist der 17. Arrondissement mein Heimatbezirk.
Insider wissen, dass ich gerne dem 11. treu geblieben wäre, ist einfach zu fein dort. Inzwischen habe ich die Vorzüge des 17. im täglichen Leben und bei Streifzügen durch die Straßen und Boulevards kennen und schätzen gelernt. Ja, die Straßenbreite ist ein erster Unterschied im Vergleich zum 11., die sind nämlich Haussmann´sch hier, die Häuser vielfach im Stil dazupassend.

Aber nicht überall, denn Vielfalt zeichnet auch den 17. aus. Wohnhäuser aus allen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts finden sich ebenso. Von Ètoile bis Rome, von Villiers bis Pereire, Triumphbogen und die Ausläufer der Champs-Elysées wirken in Guy-Môquet wie eine ferne Welt.

Mein unmittelbares Wohnumfeld geprägt durch Büros, internationale Vertretungsbehörden und Wohnhäuser ist ein sehr ruhiges und liegt in etwa am Scheidepunkt zwischen der chicen Westhälfte und den lebendigen Grätzeln im Osten.
Konsulat von Portugal
Die Rue de Chazelles ist unter anderem durch die Entstehung der Freiheitsstatue in eben dieser zu Berühmtheit gelangt – eine Gedenktafel erinnert daran.
Gleich um die Ecke befinden sich die Schwedische Schule sowie die Schwedische Kirche, wo es sonntags nach der Kirche im Hof Kaffee und Kuchen gibt.
Parc Monceau nenne ich meinen Hausgarten, den ich auf meinem Arbeitsweg stets durchquere. Denn der Luxus schlechthin ist die Tatsache, dass ich zu Fuß in die Arbeit gehen kann und beim Umsehen nach den floristischen Errungenschaften noch mal Luft für den Arbeitstag tanken kann anstelle in der Métro wie die Sardine in der Dose nach nämlicher ringen zu müssen. Wochenends tummeln sich hier Jung und Alt beim Picknick, Frisbee-Spielen, Tai-Chi, Fußball usw. usf.
Es gibt noch andere Parks, wie etwa den erst kürzlich eröffneten Martin-Luther-King Park, der mit der Verlängerung zum Park Square des Batignolles eine tolle Grünoase bildet.
So verwöhnt wie in der rue Oberkampf bin ich nahversorgungsmäßig nicht, aber es gibt ein Miranda- Pendant um die Ecke und vor allem die Rue de Levis, Rue Poncelet und Rue de Courcelles. Besonders mag ich Rue de Levis, wo sich zu Geschäftsöffnungszeiten ein herrliches Treiben abspielt: Möbel, Betten, Obst, Gemüse, alles ist zu haben, neben fixen Geschäften tummeln sich auf der Straße die mobilen Händler und locken zwischen Kommoden und Matratzen sitzend potentielle Käufer an. Die Stammkundschaft wird freudig begrüßt und die neuesten Neuigkeiten werden ausgetauscht.
Rue de Levis - Nach Geschäftsschluss
Ähnliche Szenarien spielen sich in der rue Poncelet ab – dort habe ich sogar eine Deutsch-Österreichische Bäckerei entdeckt.
Die Geschäftsleute treffen sich noch zum „after work drink“ im Beisl am Eck. Der Lokalname mutet nicht mehr taufrisch an, aber die Geselligkeit ist auch zu Internet- und E-Mailzeiten ungebrochen.
Ein paar Häuserblocks rund um Rue de Courcelles stand einst eine Kohlegasfabrik, als die Straßenbeleuchtung in Paris noch nicht elektrifiziert war. Der letzte Firmenbesitzer ließ Ende des 19. Jahrhunderts zwei Straßenzüge errichten: Margueritte (um seinem eigenen Namen Ehre zu geben) und Théodule Ribot.
Nach den Gebrüdern Isaac und Emile Pereire, Techniker und Eisenbahnbauer im großen Stil nicht nur in Frankreich, sondern europaweit, sind ein Boulevard sowie ein Platz benannt. Ihrem Schaffen bin ich schon in Arcachon bei meiner Reise 2004 durchs Bordelais begegnet, als ich die Ville d´Hiver durchwandert habe. Und bei der Urbanisierung der Gegend rund um den Parc Monceau hatten sie auch den Planungsstift im Spiel.

Selbst musikalisch lässt sich der 17. nicht lumpen. Der Konzertsaal Salle Cortot im Art Nouveau Stil errichtet weist eine wunderbare Akustik auf, die in Europa ihresgleichen sucht und mit einer Stradivari verglichen wird. Ich werde mich noch persönlich davon überzeugen.

Auf dem Heimweg nach der Arbeit stach mir schon immer ein Turm in die Augen, denn dahinter geht Mai/Juni genau die Sonne unter und das bietet ein unbeschreibliches Licht- und Farbenspiel: die orangen Fenster werden durch das Orange des Sonnenuntergangs noch unterstrichen, das lässt die kleinen und großen Querelen des Alltags vergessen.
Dermaßen angezogen von diesem Turm machte ich mich eines Tages auf die Suche und fand mich in der Kirche Sainte Odile wieder, die in den 50er Jahren Anleihen an byzantinische Basiliken nehmend errichtet wurde. Die Faszination für dieses Bauwerk fand für mich im Inneren ihre Fortsetzen, einfach genial!
Auf dem Platz du Général Catroux wurde mehreren Vertretern der Dumas Dynastie ein Denkmal gesetzt (Alexandre Dumas der Ältere, Alexandre Dumas der Jüngere). Eines davon finde ich besonders ansprechend:
An eben diesem Platz und ganz verwandt meinem Metier, der Finanzwelt, befindet sich eine Niederlassung der Banque de France, ein imposanter Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert.
Und im Gebäude gegenüber ist ein Teil der Sorbonne untergebracht - auch die Wissenschaft hat ihren Platz im 17...
Ja, es gibt noch viel zu sehen und entdecken. To be continued...