Pack die Badehose ein
Publié le 5 Juillet 2009
[Gastbeitrag #2]
Genau das habe ich vor ein paar Tagen spät nachts gemacht, gerade retour von meiner Diestreise nach Frankfurt. Business Kostüm raus, Strandtuch rein in den Koffer. Ziel war Île de Ré, eine Insel nahe La Rochelle, die seit ein paar Jahren durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist.
Delphines Eltern haben in Les Portes de Ré ein Haus, das groß genug ist 6 Personen zu beherbergen.
Vorhut waren Delphine, Fabienne und ich. Der Schaffner im TGV ließ bei seinen Ansagen schon Urlaubsstimmung aufkommen, kündigte er doch die Stationen in einer fröhlichen Art an und wünschte den zwei mitreisenden Kindergruppen in La Rochelle viel Spaß bei ihrem Urlaub am Meer. Wir fühlten uns gleich mit angesprochen…

Am Abend kamen Dominique und Frédéric, am nächsten Tag Cécilia nach. Somit war die Truppe komplett und den gemeinsamen Erkundungen der Insel per Skates und Fahrrad stand nichts mehr im Wege.
Wir bestiegen den Phâre des Baleines, von dem aus sowohl die Pêcherien (ummauerte Flächen in Ufernähe, in denen sich früher jedenfalls Meeresgetier bei Ebbe verfangen hat und abgesammelt werden konnte. Heute macht das keiner mehr wegen der zwei Muscheln und drei Crevetten, tja, Artenunvielfalt und Überfischung) als auch die mit Graffiti verzierten Bunker und Geschützstellen aus dem 2. Weltkrieg besonders gut zu sehen sind.
Die Salzgewinnung war einst ein wichtiger Wirtschaftszweig auf der Insel, heute dient sie eher der Touristenattraktion. Die mit Hosen bekleideten Esel kann man heute als Stofftier kaufen. Einst dienten die pantalons den salzschleppenden Grautieren als Schutz vor Mücken.
Die ehemaligen Salzgewinnungsstätten erinnern landschaftlich an die Salzlaken im burgenländischen Seewinkel, umso mehr, als auch Île de Ré ein wahres Vogelparadies ist und Ornithologen anlockt.
Wir kühlten uns im wahrsten Sinne des Wortes hin und wieder durch ein Bad im Meer ab, selbst wenn ich mich vor dem Wind mitunter gerne mit Fleecepullover geschützt habe. Wenn auch die genießbaren Meeresbewohner abgezogen sind, so finden sich doch relativ viele Quallen im Atlantik. Da heißt es Augen auf. Den Kitesurfern, Surfern macht das offenbar weniger aus.

Essen und Trinken waren nicht unwichtige Bestandteile unseres Urlaubs. Frédéric litt ein wenig an Schlaflosigkeit und machte sich immer schon früh auf zum Bäcker, sodass wir uns alle nur mehr um den Tisch scharen mussten, Baguette und Croissants waren ja schon da. Bis alle aus den Federn waren war ich meist schon extrem hungrig, vor allem von den einmaligen morgendlichen Strandspaziergängen barfuß im Sand. Es gab immer mittags (in Wirklichkeit am halben Nachmittag) etwas zu essen: Einstieg Apero, dann Crevetten (der Herkunftsort war den Schildchen in der Fischhandlung nicht genau zu entnehmen), Muscheln und was sonst noch auf dem Markt in unsere Taschen gewandert war.

Und abends gab es dann „was Richtiges“, also frisch gekochte Speisen.
Einmal waren wir im überaus originellen Lokal „Café du Commerce“ des franko-amerikanischen Pärchens Toni + Pierre im Nachbarort Ars.
Frédéric verwöhnte uns eines Abends mit der Verkostung eines Tokaji und eines „Vin de Pailles“ (Strohwein) aus dem Jura. Die Kunst der Tokaji-Herstellung war in Ungarn irgendwann in Vergessenheit geraten und man machte sich in aller Welt auf die Suche nach dem Rezept. Just ein Franzose wusste noch Rat, kaufte einen Weingarten in Ungarn und erst seit 1993 gibt es wieder DEN Tokaji.
Gleich zwei Feste gab es während unseres Kurzurlaubs: In Ars wurde la Fête des Sardines, du Porc et des Huîtres begangen.

Ich frage mich, wie kommt das Schwein in die Meeresrunde? Da konnten wir unsere Tanzbeine gleich einschwingen für die alljährlich stattfindende Fête de la Musique am 21. Juni, die ja schon Gegenstand diverser Blogberichte war. Auch in Les Portes wurde musiziert und aufgespielt, bis 1h nachts haben wir den Marktplatz zum Tanzboden umfunktioniert.
Ich habe die 5 Tage auf der Insel sehr genossen, mein inständiges Bitten die Verbindung aufs Festland möge auf unbestimmte Zeit gesperrt sein hat sich leider nicht verwirklicht…
Ein paar Impressionen von Dominique, Frédéric und mir könnt ihr auf folgenden Links finden:
Fotoalbum Dominique - Île de Ré
Fotoalbum Frédéric - Île de Ré