Brotloser Tag

Publié le 15 Août 2007

Also dieses extrem französische Erlebnis heute morgen (mittag) kann ich nicht unerzählt lassen...
Endlich weiss ich warum die Franzosen das Brot so fahnenstangenförmig backen und unterm Arm tragen...

Tartine au beurre zum Frühstück

Heute ist der 15. August und dieser ist auch in Frankreich ein Feiertag - was heisst ein Feiertag, DER Feiertag, denn schließlich sind im August sowieso alle, alle, alle auf Urlaub und die Stadt ist (von Touristen abgesehen) wie ausgestorben, aber wer um den 15. August nicht auf Urlaub ist, muss ein echter Loser sein... nun: ich bin da und wollte mir zum Fürhstück ein leckeres Baguette kaufen.

Mehrfach wurde schon erwähnt dass nicht weniger als 4 (in Worten: vier) Boulangeries unsere unmittelbare Nachbarschaft versorgen und wenn nicht alle so doch eine oder zwei davon haben immer offen. Unsere Stammbäckerei ist leider auf "congé annuel", aber die nächste ist auch nur 60m entfernt.

Nun begab es sich, dass heute auch dieser Fels in der Brandung geschlossen war. Kann nicht so schlimm sein, dachte ich mir als ich einen Herren mit Baguette durch die Straße streifen sah, wird die Bäckerei dritter Wahl geöffnet sein. Am Weg dahin kam ich noch bei Bäckerei 4 vorbei (der Notnagel) und sah aus dem Augenwinkel ein paar Leute unverrichteter Dinge wieder umkehren ?!

Plötzlich sprechen mich zwei arbeitende Herren an (Malerei etc gibts auch an Feiertagen - scheint wie bei uns zu sein) und fragen mich nach der nächsten Bäckerei. Ich noch frohen Muts nehm die Herren ins Schlepptau und unsere Gesichter werden bleich  und blicken in weitere 4 enttäuschte Gesichter.  Auch diese Boulangerie verweigerte das Backen. Nun war guter Rat teuer, die  Herren nahmen ihren Weg nach rechts, ich den meinen nach links auf.

Schon Marie Antoinette soll gesagt haben, wenn die  Leute kein Brot haben, sollen sie doch Brioche essen.... aber ohne Boulangerie auch keine Patisserie und daher auch keine Süßspeisen...

Ich streife als durch das umliegende Quartier immer mit wachem Auge um eine Bäckerei zu entdecken. Und da seh ich sie, wie eine Fahnenstange am Berg bei der Schitour, die Baguette im Arm eines weiteren arbeitenden Herren. Ich nehme die Fährte auf, gehe die Straße entlang die er gekommen ist, doch nichts - kein Zeichen, keine Fahnenstange, keine Baguette. Einige Minuten später das nächste Signal-Baguette - diesmal lass ich die Gelegenheit nicht sausen und frag den guten Mann wo er denn sein Brot gefunden habe. Nachdem er mir seine Wegbeschreibung gegeben hat werden die Spuren immer dichter, die Zeichen immer eindeutiger und schließlich kann ich die frischgebackenen Baguette bereits durch die Gassen riechen.... und kann es nicht fassen, wieder vor einer geschlossenen Boulangerie zu stehen.
Der Duft nach Brot täuscht jedoch nicht, noch einen Häuserblock weiter und ich sehe sowas wie einen Baguette-Flash-Mob. Ca. 20 Leute stehen aufgefädelt in Baguette-Form geduldig in der Schlange um stolz triumphierend mit ein, zwei oder drei Baguettes unter dem Arm nach ca.10 Minuten wieder von dannen zu schreiten.

So auch ich. Der Heimweg ist dann noch mal spaßig, denn an den Gesichtern, den Fragen, den Aussagen der Passanten merke ich, dass nun ich die Signalstange abgebe, fast scheint es so dass alle Menschen (soviele sinds ja nicht in einer ausgestorbenen Stadt) nur ein einziges Ziel haben....

Unter diesen Umständen ist verzeihlich, dass die Baguette eher so schmeckt wie das längliche Brot vom Anker das diesen Namen ja eigentlich nicht verdient.

Ach ja und hab ich da gestern nicht irgendwie erwähnt dass es eh nicht so gfährlich ist in Paris...
das musste ich dann heute in der Zeitung lesen:

und so mancher Linienbus schaut auch nicht mehr so frisch aus..

http://www.leparisien.fr/home/info/faitjour/articles.htm?articleid=276175618

Ich glaub ich bleib heut daheim und kümmer mich um die Bügelwäsch...

Rédigé par Michi

Publié dans #parisplages

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