Dominique - le premier!
Publié le 16 Septembre 2006
Heute waren wir dermaßen aktiv, dass wir eigentlich viel zu erschöpft sind, um noch groß Aufzeichnungen führen zu können - aber ein Tag wie heute darf nicht in Vergessenheit geraten.
Nach dem Frühstück starteten wir also in unseren französischen "Jour du Patrimoine" und richteten unser Hauptaugenmerk auf öffentliche Gebäude und Einrichtungen, die normalerweise nicht zugänglich sind.
1) Die Rèsidence de l'Ambassadeur des Pays-Bas
(l'Hôtel d'Avaray)
- also die Residenz + Repräsentationsräume des/der niederl. Botschafters/in -
Ein recht ambitioniert gebautes und ausgestattetes Palais aus 1718 mit jeder Menge niederländischer Malerschinken dekoriert. Recht aufregend und durchaus üppiger als die Residenz des österreichischen Botschafters, die ich ja unlängst dienstlich im Detail besichtigen durfte. Erwähnenswert hier auch der französische Garten im "Hinterhof", der im April mit tausenden Tulpen geschmückt wird.
Übertroffen wurde der Prunk der niederländischen Residenz jedoch durch:
2) das l'Hôtel d'Estrées - die frühere russische Botschaft und jetzige Residenz des russ. Botschafters

Hier sieht man leider nur, wo die Warteschlangen sich heute befanden (entlang des Gebäudes) - aber die Russen scheinen es noch nicht für notwendig empfunden zu haben, eigene Botschaftswebsites ins Netz zu stellen... darum leider kein Link.
Nach ca. 30min Wartezeit und Sicherheitscheck durch "echte Russen" durften wir hier nicht nur durch den roten, blauen, grünen und goldenen (sic!) Salon streifen sondern konnten auch noch eine Ausstellung des Musée de l'histoire de Moscou zur "Art nouveau de Moscou" (1850-1915) bewundern.
So sprachlos uns die Raumausstattung machte, so zu Reisen animierend waren die Bilder von Jugendstilbauten in Moskau... Wir werden doch noch den lieben Kollegen Frank in Moskau besuchen müssen!
Niederlande hin - Russland her - bei soviel Prunk im Vergleich zur bescheidenen österreichischen Botschaft muss man sich als "glernte Österreicherinnen" der k.u.k. Historie besinnen!
3) Das l'Hôtel de Matignon -
kann besten Gewissens als Höhepunkt unserer Besichtigungstour bezeichnet werden.
1719 erbaut und gewaltig in Dimension und Ausstattung - vor allem auch der 3 ha große Garten (!!!) - ging das kleine Prunkstück 1886 als Geschenk an Kaiser Franz-Joseph in österreichischen Besitz über und beherbergte bis 1920 die österreichische Botschaft (was für ein Pech der späten Geburt für mich...).
Vermutlich aufgrund von Nachkriegs-Geldmangel hat Österreich die Hallen 1920 an Frankreich zurück verkauft und da das Häuserl ein wirkliches Kleinod ist, beherbergt es seit 1959 niemand Geringeren als den "Premier Ministre" der Republique Francaise.
Nun kann man sich denken, dass an einem Besuchstag wie heute die Hölle los ist - und in der Tat, wir standen ca. 2 Stunden in der Warteschlange bis wir endlich bei der Sicherheitsschleuse waren. Schon ein wenig grantig sag ich noch: "das muss mir dann aber mindestens der "Villey" (D.d.Villepin) das Handerl persönlich schütteln, um diese Pein wieder gut zu machen..."
Die Räumlichkeiten - echt in Verwendung und inklusive Brillenetui und Leselupe von Villepin am Schreibtisch - nicht zu vergessen die Sportzeitung L'Equipe - waren allerdings sehenswert genug, um den Schmerz in den Beinen zu vergessen. Außerdem sind die schnittigen Parade-Soldaten von der Garde Republicain, verantwortlich für die Sicherheit des Premier, durchaus ein Augenschmaus (auch wenn für manchen die Garderober etwas groß geschnitten war ;-).
Und plötzlich steht er da - der Feschak und Nummer 2 im Staate Frankreich - Dominique de Villepin, der Gastgeber des heutigen Tages - persönlich und schüttelt uns mit den Worten - "Bonjour Madame" - die feuchte Hand ;-) Wahrscheinlich sind wir jetzt auch noch in diversen Nachrichten und Zeitungen abgebildet, wir haben uns nämlich nicht entblödet uns auch noch ein Autogramm geben zu lassen (das können wir dann neben das vom Wolferl Sch.... hängen).
Durch eine derartige französische Ehrerbietung wieder taufrisch und munter gings gleich weiter zur Sehenswürdigkeit Nummer..
4) Cathédrale Orthodoxe Russe - Saint Alexandre-Nevsky
Recht ruhig und nicht übermäßig besucht - die russisch-orthodoxe Kirche, aber sehenswert und lebensecht - es gab nämlich grad die Vorbereitung auf eine Taufe (letzte Briefings durch den Priester) live zu erleben - spannender wäre sicher die Feierlichkeit danach gewesen ;-)
Da wir also hier keine Zeit mit Warten verschwendet hatten starteten wir gleich noch weiter zur
5) Brasserie Julien im 10eme Arrondissement
Zuerst dachte wir ja, das sei eine Brauerei-Besichtigung, denn was soll sich in der Bahnhofsgegend sonst Denkmalwürdiges verbergen.
Was sich uns allerdings hinter der Tür eröffnete - inmitten von Indo-Pakistanischen Restaurants und Kebap-Buden - wird uns eines Abends noch viel intensiver beglücken!
Das Julien ist eine alte Jugendstil-Brasserie und der engagierte Fremdenführer "Bruno" (demnächst wird er eine Führung durch den Louvre zum Thema "Gesäße" anbieten - auch ein Geheimtipp!) erläuterte uns Dekor und Bilder, Raumgestaltung und Restaurantkonzeption in blumigsten Details!
Offenbar wurde das Lokal bewusst in dieser Gegend eröffnet, um auch einer weniger bemittelte Klientel (was war ja immer eher ein Arbeiterviertel dort) stilvolles Speisen näher zu bringen - und das auch heute noch zu für Paris noch durchaus moderaten Preisen.
Zunge, Niere und "beuchelle" sind dort offenbar Spezialitäten (sorry Patrizia und Andreas, dass wir das erst jetzt entdeckt haben...) Wir werden demnächst sicher mal versuchen dort einen Tisch zu ergattern und fein zu speisen.
Wir waren dann noch von der Gegend rund um Porte Saint Denis so angetan, dass wir noch durch diverse Quartiers latschten und unsere Gemüse- und Obsteinkäufe (zu echten Spottpreisen = billiger als in Wien!!) dort erledigten.
Apropos erledigt - wir sind nun wirklich streichfähig und morgen müssen wir fit sein für den Frauenlauf ...*gähn*...
Also bis auf Weiteres...
Jutta und Michelle