Das olfaktorische Moment
Publié le 23 Août 2006
Kinder, ich sag es euch - es ist doch was anderes Konsularfälle am Telefon zu bearbeiten als diese leibhaftig vor sich zu haben - das kann nämlich durchaus zu einem Geruchserlebnis werden. Nicht wirklich eine schwierige Angelegenheit heute (selber Geld, Eltern zahlen, Sachwalterin zahlt) aber mühsam und zeitraubend uva. die erfolglosen Bemühungen, den jungen Herrn dazu zu bewegen, doch die Heimreise anzutreten töten den Nerv - denn das Problem ist mit der Geldaushändigung sicher nicht gelöst und früher oder später, ob hier in Frankreich oder sonstwo in Euroland, wird er sicher wieder Schwierigkeiten - in wahrscheinlich größerem Ausmaß haben.
Wie auch immer, man tut und werkelt - nebenbei noch zwei vermeintlich Vermisste (hab mich schon auf eine Dienstreise nach Korsika gefreut), die dann eh schon wieder lustig in Österreich waren...
Ich bin wieder ganz im Bürgerservice-Element gewesen in den letzten beiden Tagen. Dafür hab ich grad erst mitgekriegt, dass schon Mittwoch ist - die Zeit verfliegt und in nur noch 10 Tagen wird Jutta auch schon hier sein.
Eigentlich sollte ich ja den Verwaltungskram erlernen - das geht aber mehr so nebenher und ich bin far from alles verstanden haben... aber was solls: ich kann ja net nach 2 Wochen schon "ausglernt" sein ;-)
Ansonsten haben wir heute einen sehr lieben Kollegen (seufz, wie schade) verabschiedet und für morgen abend hab ich mich auch mit einem Kollegen verabredet (seufz, der geht Ende September) und am Freitag bin ich bei meinem lieben Herrn Einschulenden eingeladen - irgendwo in den nobleren Außenbezirken von Paris... Soviel Sozialleben hatte ich nicht, seit Rainer wieder in Wien ist.
Grundsätzlich muss ich aber schon sagen, dass ihr mir alle sehr fehlt und dass es sicher schwierig sein wird hier echte Kontakte (außerhalb der Arbeit) mit echten französischen Menschen (wär gut zum Reden-Üben) zu knüpfen - Aktionsprogramm ist angesagt, als da wären: Frz-Kurs (da lernt man allerdings eher keine ECHTEN Franzosen kennen); irgendwas Sportliches in einer Art Verein ... xund und schafft Freunde und außerdem werden wir uns, sobald Jutta da ist so richtig ins Kulturleben stürzen (und davon bietet Paris nun wirklich mehr als genug)...
So, die Botschaft ist mal wieder leer - bis auf die Residenz, da ist grad mal die Großfamilie des Herrn Botschafters zu Besuch - d.h. der halbe Bin Laden Clan - und Ali the Cook (ein 87jähriger Hauskoch aus Saudiarabien) wohnt gleich neben mir - da kann ich dann mein Arabisch auffrischen - besser wär jedoch, er würde was für mich kochen...
Xund leb ich ja nicht wirklich - hab keine Lust für mich allein zu kochen und allein Essen gehen ist auch kein Spaß - aber Baguette ist ungesund und trotzdem lecker - vor allem mit Terrine de Canard oder leckerem Chevre.... mhhh!
Ihr seht also - ich bin hungrig - schließlich hab ich vom Buffett beim Abschiedsfest nicht viel abbekommen, da ich mich ja um meinen Konsularfall kümmern musste (und mir das olfaktorische Moment für eine Weile den Appetit verdorben hat).
Eine Beobachtung aus dem Alltag in Paris möchte ich unbedingt noch zum Besten geben... alle reden immer von der hektischen Großstadt - und was den Verkehr betrifft stimmt das auch wirklich. Jetzt wo die Haupturlaubs-Ödnis vorbei ist, ist seit 21.8. wirklich zu merken, dass sich wieder mehr tut auf den Straßen (auch nicht unbedingt ein Vorteil ;-) - aber die Menschen die zu Fuss unterwegs sind sind sowas von LANGSAM!!! Ich rede jetzt nicht von flanierenden Touristen sondern von Menschen in den U-Bahn-Gängen, von Menschen, die ich vom Fenster aus am Weg zur Arbeit beobachte ... daran muss ich mich wohl noch gewöhnen, bislang macht es mich noch ein wenig rasend so langsam herumzuschleichen.
Und das mit dem stereotypen Baguette (oder der - la -Baguette wie man eigentlich sagen müsste) stimmt auch wirklich: man sieht täglich Menschen mit Brotstangen durch die Straßen gehen - praktisch zu jeder Tageszeit und im (langsamen) Gehen am Baguette knabbern ... das hat natürlich was, selber mit der Brotstange unterm Arm durch Paris zu marschieren (zumindest für Romantikerinnen). Und das Allerbeste - das geht natürlich nur deshalb weil die Bäckereien wirklich dauernd frisch produzieren und in jedem guten Quartier (zB in der Oberkampf) gibt es an jedem Eck einen kleinen Bäcker - und die haben bis spät abends (also sicher bis 7 oder 8) und auch sonntags geöffnet... Yummieee!
Ich hoffe, ihr verzeiht also, dass ich mich jetzt angenehmeren Dingen widme - bon appetit!
Michelle