Houlgate
Publié le 21 Août 2021
Mit großer Freude las ich von der Verlängerung der Ausstellung "Les Femmes s'exposent" in Houlgate.
Mein Wunsch, das Festival endlich zu besuchen, und der Drang nach 2 Jahren endlich wieder ans Meer zu fahren, paarten sich. Die endlich etwas regenfreie Wetterprognose und Sommerloch in der Arbeit erleichterten die Entscheidung von Mittwoch bis Freitag nach Houlgate zu fahren.
Das Festival findet in Houlgate heuer zum 4. Mal statt und zeigt Fotos professioneller Fotografinnen an verschiedenen Plätzen im Ort. Die Fotografinnen werden von dem Festival ausgewählt und eingeladen. In unterschiedlichste Regionen der Welt und Themen taucht man dank der Fotos ein, die an der Strandpromenade, rund um die Kirche und das Rathaus ... auf Holzpanelen ausgestellt sind. Bolivien, Guatemala, Irland, Bergkarabach, Frankreich, Unterwasseraufnahmen aus asiatischen Meeren...
Die für die Architektur aus dem späten 19. Jahrhundert, frühen 20. Jahrhundert typischen meist emaillierten Dachfiguren boten dank der Aufnahmen mit Drohnen einen Blickwinkel, den man vom Boden aus freilich nicht einnehmen kann.
Vater - Tochter war das Thema für eine Gruppe junger Menschen aus einer Art von Jugendheim, das jede und jeder in sehr beührender Art bearbeitet hatte, und auch dazu beitragen soll, dass sie Kontakt mit der lokalen Bevölkerung bekommen.
Ein Fotoprojekt mit SchülerInnen experimentierte mit Fotogrammen, Drohnen und dem Körper im Raum, die etwa zu einer Blumenwiese am Strand wurden. Eine sehr buntes und interessantes Projekt.
Diese Fotos ergänzten meine Architekturwanderung in Houlgate und Cabourg, wo ausgewählte Häuser und Villen aus der Epoche des Neo-Normandie-Stils zu sehen sind.
Houlgate zeichnet sich dadurch aus, dass es am Meer liegt und von Hügeln umgeben ist. Die Klippen Les Vaches Noires etwa verlaufen nördlich von Houlgate, und unterbrechen das Siedlungsband an der Küste des Ärmelkanals. Die Siedlungen ziehen sich etwas die bewaldeten Rücken hinauf, vereinzelt entdeckt man Häuser noch etwas höher im Wald, hoffe, es bleibt bei diesen Ausnahmen. Es wird viel renoviert, restauriert. Ich habe mich gefragt, wieviele der Häuser ganzjährige bewohnt sind, und wieviele Ferienwohnungen bzw. -häuser sind.
Pferde spielen hier eine Rolle. Reiter am Strand, einzeln oder in Gruppen, sind keine Seltenheit. Anfang Oktober finden beispielsweise in der Region Pferdemärkte statt. Deauville und Carbourg sind bekannt für Pferderennen.
Casino ist ebenfalls eine Geminsamkeit der Städtchen an der normannischen Küste.
Carbourg bzw. Dives-Sur-Mer zelebrieren weiters Wilhelm den Eroberer, der von hier 1066 aufgebrochen war, um die Schlacht von Hastings zu schlagen.
Neben Fotos und Architektur blieb Zeit für ausgedehnte Spaziergänge an der Küste, Schwimmen im Meer, leider nur in der Früh und am Abend vom Quartier aus (leider nicht tagsüber während der Spaziergänge, weil ich meine Sachen nicht unbeaufsichtigt lassen wollte). Schauen, wie die Leute Muscheln sammeln, angeln, Sandburgen bauen, Strandspiele machen, Hunde über den Strand sprinten, Fotos machen.
Ich hatte noch ein Zimmer im Dachgeschoss eines Hotels, Fachwerkbau, was mein Kopf mitunter zu spüren bekam, unweit des Meeres ergattert. So hatte ich auch in der Nacht ein wenig Meeresrauschen im Ohr.
Donnerstag und vor allem Freitag füllte sich der Ort zunehmend, und ich war mit meiner Entscheidung ausgesöhnt, nicht über das Wochenende zu bleiben.
Zurück zum Festival "Les Femmes s'esposent", das weiters drei Preise auslobt.
Ein Preis zum Thema Fotoreportage, die den Klimawandel zum Thema hat. Der Sturm Alex hat im Oktober 2020 verschiedene Täler der Region Alpes-Maritimes verwüstet und Menschenleben gefordert. In La Valée de Roya konnte erst nach 48 Stunden per Helikopter Versorgung zu den eingeschlossenen Menschen bringen. Jeanne Frank war vor Ort und zeigt vor allem die Nachwirkungen auf, die jahrelang zu spüren sein werden, mit der Fotoreportage "La Valée est morte" in Le Monde und Mediapart.
Der Preis "Obs" ging an Nanna Heitmann für die Reportage über das Naturreservat Utrish am Schwarzen Meer mit Mittelmeervegetation, das seit den 60 Jahren Naturverbundene Menschen, Alternative, Hippies, Yogies anzieht, Rückzugsort für Orthodoxe Eremiten ist, und nun von diversen Luxusressortbegehrlichkeiten gefährdet ist und unweit des "Palast von Putin" liegt, der Symbol für die Korruption der russischen Machtspitze wurde.
Preisträgerin von "Le Voyage immobile" ist Alexa Brunet mit ihrer Arbeit "Utopic théâtre".
Sie wirft die Frage auf, weshalb in vielen Märchen und Geschichten die ProtagonistInnen oft entgegen ihres Willens eingesperrt werden, und stellt Parellelen zu den Einschränkungen während der Pandemie dar, und stellt sie spielerisch mit Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld dar.
Die diesjährigen Preisträgerinnen werden hier vorgestellt.
Keinesfalls vergleichbar, aber inspiriert und mit großer Begeisterung, habe ich während der drei Tage meinen Fotoapparat gezückt. Hier geht es zu dem Album in Flickr.