11 septembre 2011 7 11 /09 /septembre /2011 21:42

Martine, Sabine, Damien und ich sind von Faragous gemeinsam nach Millau abgereist, wo sie mich vor der Autovermietung mit Sack und Pack nach einer herzlichen Verabschiedung abgesetzt haben. „Lass dich nicht stehlen“, hat mir Sabine noch auf den Weg mitgegeben. Wie lang ich das schon nicht mehr gehört habe! Sich in dem überaus schönen und vielfältigen Landstrich Aveyron stehlen zu lassen könnte allerdings auch was haben.

Ich habe meinen Fiat 500 Cabrio – schwarz mit rotem Dach – in Empfang genommen, um wieder retour nach Saint Affrique zu fahren.

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Es war Samstag, also Markttag! Ideal um Jause einzukaufen – Schaf-und Ziegenkäse, Tomaten, Früchte… teilweise direkt von den Produzenten. Da lacht des Herz der verstädterten einst Landbewohnerin.

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Ein Messer fehlte im Reisegepäck, doch auch dafür hat Aveyron eine Antwort. im Norden gehört ein Stück des Hochplateaus Aubrac zu diesem Departement. Und dort sind traditionell die Messermacher daheim. So besitze ich jetzt ein Laguiole Prestige Au Sabot mit Wacholderholzgriff.


Die Schiefergasgegner waren sehr präsent auf dem Markt – man wehrt sich gegen die geplanten Gasgewinnungspläne, zumal ökologische und gesundheitliche Folgen befürchtet werden. Und ob dem Tourismus diese Energiegewinnungsplantagen zuträglich sein wird sei dahingestellt.


Und wie kommt’s überhaupt, dass ein Ort in dieser Gegend Saint Affrique heißt? Namensvetter ist ein Bischof genannt „Africanus“, der von den Westgoten verfolgt hier um ca. 500  Zuflucht fand. Die Kathedrale zeugt davon.

Der Ort hat eine wechselhafte und nicht unblutige Geschichte erlebt – gehörte während des 100 jährigen Krieges zwischenzeitlich zu England, war umkämpfte Hochburg der Protestanten während der Reformation. Anfang des 20. Jahrhundert hat es mit dem Verlust der Unterpräfektur auch etwas an Bedeutung verloren.

 

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Die Freiheitsstatue von Saint Affrique.


Die alte Steinbrücke aus dem 13. Jahrhundert spannt sich imposant über die Sorgues, gleich neben der Kathedrale.

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Saint Affrique liegt fast im Zentrum des Aveyron, der sich aus Raspes du Tarn, Rougiers, Causse und Monts et Lacs de Levézou zusammensetzt. Zwischen Flußschluchten und Seenhochplateau sind vielfältigste Landschatstypen zu finden.

In Affrique dürfen auch exotische Tiere wie Giraffen nicht fehlen. 

DSC00398Auf die Werke dieses Metallkünstlers trifft man übrigens immer wieder in der Region.

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Ich habe mich zuerst unter dem Felsen zum Picknick niedergelassen.

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Ehe ich die Gegend um St. Rome de Cernon erkundete sowie den ersten Dolmen besichtigte.

DSC00394Dolmen des Tiergues


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Menhire mit Gravur, deren Bedeutung noch nicht ganz geklärt scheint, wurden hier gefunden und wieder in der Landschaft aufgestellt.


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Les Costes Gozon – Reste einer Burg der Gozons.

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Und die Kapelle zur Gozons-Burg.


In der Auberge Coteau in Bournac wurde ich herzlich empfangen. Ein Zimmer zu finden war nicht einfach, aber dank der Touristeninformation in St. Affrique fand ich ein Plätzchen. Kann die Auberge nur jedem empfehlen!  Die Familie Barthe, deren Sohn Stéphane ein Radprofi war – diverse Pokale zeugen davon – haben sich um mich bemüht und je nach meiner Interessenslage mir Routenvorschläge gemacht, Tipps gegeben. Mich am Tag vor meiner Abreise bekocht. Die Auberge war einst Restaurant – die Mama hat das Küche und vieles mehr geschupft, dass man sich fragt, wie das ein einzelner Mensch schaffen kann. Selber Fleisch- und Wurstwaren verarbeiten, 70 Leute bekochen, als Briefträgerin arbeiten… Ein paar Rezepte hat sie ihrer Schwiegertochter weitergegeben, die sie gerne nachkocht.

DSC00518In Bournac bricht ein neuer Tag an.


Eine Taubenfamilie nistete in den Blumenkisten am Balkon. Die beiden Tauben wurden von den Eltern ordentlich gefüttert, am Tag meiner Abreise sah ich sie dann flügge werden. Die Eltern haben ja immer gezeigt, wie es geht, und waren ziemlich pushy, dass der Nachwuchs fliegen lernt.

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Ich fuhr nach Sylvanès, um die ehemalige Zisterzienserabtei zu besichtigen, in der seit 34 Jahren alljährlich ein Musikfestival stattfindet. Die Abtei war längst aufgelassen, das Gemäuer dem Verfall hingegeben, bis Pater André Gouze sich hier angesiedelt hat, und das Renovierungs- und Festivalprojekt gemeinsam mit dem musikalischen Direkter Michel Wolkowitsky geboren wurde. Heute kommen Künstler aus aller Welt zum Sakral- und Weltmusikfestival, die Chorgesangssommerakademie erfreut sich zahlreicher Teilnehmer, und auch sonst gibt es allerhand Programm wie Ikonenmalerei.

 

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Man muss wissen, dass wenige Kilometer entfernt im Wald eine russische Holzkirche steht, die in Russland, nördlich von Moskau errichtet worden war, wieder abgebaut, nach Frankreich transportiert und erneut errichtet wurde. Das Projekt der Völkerverbindung drohte beinahe zu scheitern, war die Kirche doch bei weitem größer ausgefallen als gedacht und der Transport stellte ein schier unlösbares Problem dar. Bis per Zufall der Initiator bei einer Hochzeit neben dem Verantwortlichen für den internationalen Gütertransport bei der französischen Bahn zu sitzen kam. Der schließlich setzte sich für die Realisierung ein, die Kirche wurde verladen, umgeladen und etwa Mitte der 90 er Jahre stand sie dann tatsächlich im Aveyron.

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Neben Ikonen und Malereien vorwiegend jüngeren Datums finden sich auch ältere Kunstwerke, wie etwa dieses Kruzifix.

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Ich hatte das Glück einen Platz im Konzert des russischsprachigen Chors "Le Choeur de Crimée" und des Ensembles "Voces Intimae" zu bekommen. Die Akustik in der Kirche ist einmalig, die Sänger und das Konzert waren es ebenfalls.

 

Auch auf den Spuren der Templer war ich unterwegs, wie etwa in Saint Jean d'Alcas

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In Saint Paul des Fonts, einem Ort im Talschluss liegend, wirkte einst der Botaniker Hyppolyte Coste.

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Schon in Languedoc Roussilon liegt das Tibetische Ausbildungs und Zentrum für, hm, wie nennt man das, Klausur? Rückzug? Zentrum Lérab Ling. Am Beginn der 90 er Jahre entstanden, 2000 vom Dalai Lama eingeweiht. Und 2008 war nochmal der Dalai Lama zu Gast, um den großen Tempel, von Handwerkern und Künstlern hauptsächlich aus Burma und Tibet errichtet, zu eröffnen und einzuweihen. Manche erinnern sich vielleicht noch an die Episode, denn in letzter Minute hat M. Sarkozy seine Freu vorgeschützt, China hätte seine Präsenz vielleicht weniger gouttiert.

Tag der offenen Tür war dank des Besuchs des Dalai Lama in Toulouse. Ist der nämlich da und lehrt, setzen die anderen Lamas ihre Lehre aus. So konnte ich eine Führung machen, das Zentrum besichtigen, mich laben und die Liveübertragung der Konferenzs des Dalai Lama zum Thema "L'Art du Bonheur" im großen Tempel miterleben

 

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Am letzten Tag unternahm ich einen Ausflug ins Seenhochland, ideal für einen so heißen Augusttag. Unterwegs kam ich in allerhand Ortschaften wie Alrance, Canet De Salars, Salles-Curan, Castelnau-Pegayrols usw.


Hier der See Lac de Pareloup.

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In der Gegend sieht man noch öfter Dorfplätze mit Rundsteinen gepflastert, nicht nur in den eher wie Museumsdörfer wirkenden wie beispielsweise Castelnau, sondern auch in den belebteren Orten. Denn auch hier hat die Abwanderung nicht halt gemacht.

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So ging auch mein Vermieter, Robert Barthe, nach Paris, wo er seine Frau kennen gelernt hat. Sie sind dann irgendwann retour nach Bournac, und Evelyne ist aufgeblüht, denn jegliche Stadt kann ihr gestohlen bleiben, mitsamt Lärm und Verkehr.

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"machst ein Foto von der Dorfjugend" haben mir die Herren lachend gesagt - und haben dann in höchsten Tönen von ihrer Reise nach Österreich und Süddeutschland erzählt. So schöne Dörfer, der Blumenschmuck! alles so sauber! Der Achensee - so herrlich!

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Roquefort, von wo der berühmte Schafkäse kommt, liegt wirklich unterhalb der Felsen. Den Besuch einer Käserei habe ich bei meinem Besuch ausgelassen.

Dieses Schild war richtungsweise für Etappe 3 meines Urlaubs:

DSC00528DSC00541alles dreht sich.

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Musikalische Reisebegleitung:

Lux Femine (Jordi Savall, Montserrat Figueras)

Babel Orchestra


Reiselektüre: Andernorts von Doron Rabinovici

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Published by Jutta - dans parisplages
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commentaires

michi 15/09/2011 10:11



mah des is einfach nur schön!!!!!!!!!!! da kann einem der achesee gestohlen bleiben ;-)