1 mai 2011 7 01 /05 /mai /2011 18:26

Da spaziere ich in ein Geschäft mit orientalischen Dekorationsgegenständen in der Rue des  Batignolles, das mir schon öfter ins Auge gesprungen ist, und erkundige mich harmlos, ob sie Wasserpfeifenkohle führen. Nö, das nicht. Leider. Aber da lagen so schicke Teppiche. Und ich erwähne, dass ich die schön finde, und hast du’s nicht gesehen, der Orientale ist ein begnadeter Händler und Verkäufer, und flugs werden vor mir alle Teppiche ausgebreitet. Denn keiner gleicht dem anderen, und „riechen Sie, das ist Wolle, da riecht man noch die Schafe“. Das ist Handarbeit. Aus Afghanistan kommen die Teppiche. Der ist doch besonders schön, und der auch, sehen Sie nur!

Ein Zweitteppich, zu dem unlängst erworbenen marokkanischen? Hm. Aber ja.


Und wie er so die Teppiche vorführt, apert eine achteckige Holztruhe heraus, die als Hocker, als Tisch, als Truhe – kurz vielseitig einsetzbar wäre. Die wiederum hat ihren Weg aus Ghana nach Paris gefunden. Und der Händler lässt sie vor meinen Augen mit einem Holzpflegemittel ein, damit sie noch mehr glänzt, herrlich duftet und noch mehr flüstert – „nimm mich mit“. Naja, man benötigt ohnehin ein würdiges Behältnis, um den Teppich nach Hause zu transportieren. Der neue Bettvorleger macht sich ausgesprochen gut.

DSC09994

Und das Tischchen auf dem marokkanischen Erstteppich ebenso.

DSC09988

Seit dem Osterwochenende findet entlang des Parc de Monceau ein Antiquitätenmarkt statt. Da braucht es die nötige Wohnung und wohl auch ein entsprechendes Portemonnaie. Heute ist letzter Tag und wie ich mich da so aufmache zu einem kurzen Spaziergang, habe ich doch einen etwas genaueren Blick auf die Antiquitäten geworfen. Und ich sag’s euch, da finden sich wunderbare Stücke darunter! Eine wunderschöne Kommode von Émile Gallé mit Libelleneinlegemuster – um wohlfeile 3.500 EUR, ein Servierwagen um 1.100 EUR usw. usf.

 

Einschub: Ich habe festgestellt, dass das Antiquitätengeschäft dieser Art offenbar wenig in französischer Hand ist – die Akzente konnte ich nicht immer einwandfrei zuordnen, aber Osteuropa scheint mir da recht aktiv zu sein.


Ja, und dann steht da ein 8-eckiges Regälchen vor mir, das mir in seiner Schlichtheit und doch raffinierten Machart ins Auge springt. Ich erkunde mich nach dem Preis und es haut mich nicht gleich um. Der Antiquitätenhändler greift kurzerhand zum Lappen, staubt das schöne Stück ab, lässt es mit einem Holzpflegemittel ein. Déjà Vu?! Ich handle ein wenig um den Preis (hätt ich übrigens gestern auch machen sollen, bin ja von Marokko noch in Schwung, ich Esel.). Tja, und schon hielt ich das Regal in meinen Händen. Und ein wenig umgeräumt in der Wohnung, dies und das probiert, nun hat es seine Verwendung als Fernsehregal und Schatztruhenstellplatz gefunden.

DSC09985DSC09987

Und weil ich schon beim Umräumen und in Änderungsstimmung bin: Diese pflanzenlose Tristesse auf dem Balkon muss auch ein Ende haben. Die Pflanzen des Nachbarn wuchern und sprießen. Der Herr verpasst mir quasi täglich einen Nasenstüber mit seinem grünen Daumen - denn bei mir herrscht abgesehen von einem Rosenstöckchen Wüste. Herrscht? Herrschte! Auch am 1. Mai hat die Blumenhändlerin in der Rue des Dames ihre Pforten geöffnet. Ihr Baby findet das zwar zum Schreien, aber da sind ohnehin 6 Hände, die sich um den Nachwuchs rührend kümmern, während ich zwischen Lavendel, Minze, Verbena , Fuchsia, Begonie und Pelargonie schwanke. Hab mich dann für die blau-violettblütigen entschieden – Lavendel, Provence – hach! Verbena und Pelargonie. Die Minze war unverschämt gut in der Nase. Vielleicht ein anderes Mal.

DSC09980

DSC09983

DSC09995

 

Und was habe ich so bei einer Runde in Bois de Boulogne akustisch und optisch aufgeschnappt?


Wer seinen Kleinhund Yuppie tauft und ihn lauthalsbrüllend ruft, ist entweder in der midlifecrisis oder hat einen sehr alten Hund.

 

Alljährlich am 1. Mai stattfindendes schottisches Tanz- und Musikfest im botanischen Garten von Bois de Boulogne - Jardin du Pré-Catelan, veranstaltet von der Caledonian Society of France. Lustig, diese schottenberockten gstandenen Manda.


Wo sich die französischen kinderreichen Großfamilien zum Sonntagsausflug und Picknick treffen, werden unmittelbar daneben kostenpflichtige Dienstleistungen aller Art en gros et en détail angebahnt.  Dass es da auch mal wilder hergeht zeigen die Boa-Federn, die mitunter entlang des Weges liegen. Kondome und Wischtücher bilden an manchen Stellen das Unterholz des Bois de Boulogne.

 

Was gibt es noch für Attraktionen? chice Restaurants, Pferderennplätze, Jardin d'Acclimatation, Bootsverleihem entlang des Teichs, Kinderspielplätze, Ponyreiten, Skaten und Radeln und Joggen, Cascades usw. usf. Ich kann nur wiederholen, ein merkwürdiger Ort, andererseits ein spannendes „Ökosystem“, das zu begreifen und zu kennen ich meilenweit entfernt bin.

Partager cet article

Repost 0
Published by Jutta - dans parisplages
commenter cet article

commentaires

michi 02/05/2011 13:28



wunderbare wohnraumgestaltung ... echte schätze gefunden schätze ich mal
gratulation!!!