17 octobre 2010 7 17 /10 /octobre /2010 17:26

Pantin fängt dort an wo La Villette aufhört. Pantin hat eine Geschichte, die für Paris im wahrsten Sinn des Wortes lebensnotwendig war. Pantin liegt am Canal Ourcq,

 

direction chambres de commerce

 

an der Bahn,

 

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in der Ebene der Île de France, ideal für Obst- und Gemüseanbau.

 

Und rund um die Produktionsbetriebe entstanden weiterverarbeitende Betriebe und wichtige Gewerbe- und Industriezweige. Ein Beispiel? Das Obst der Obstbäume wurde zu Schnäpsen und Bränden destilliert. Die Flaschenproduktion war in unmittelbarer Nähe, heute ist dort eine Garage, und nur wer genau hinsieht entdeckt in einer finsteren Ecke noch Reste von der ehemaligen Glasfabrik, wie etwa die Basis des Schlots.

 

verrerie

 

Die große Mühle von Pantin, heute Sitz eines Geschäftszweiges der Großbank BNP Paribas, war wichtiger Umschlag- und Lagerplatz für Getreide.

les grands moulins 2

les grands moulins 1

 

Die Jutesackfabrik von Pantin stellte die nötige Verpackung her.

usine paul lefaux 4

usine paul lefaux 1

usine paul lefaux 2

usine paul lefaux 3

Verschiedene Rohstoffe wurden für die Zuckerherstellung importiert, um der saisonalen Auslastung der Zuckerfabrik (ich erinnere mich an die Zuckerrübenkampagne östlich von Wien…) ein Schnippchen zu schlagen.

Schokoladenfabrikation benötigt Kartonverpackung.

 

fabrication cartonnages


Die Schafe und Rinder wurden per Bahn zum Schlachthof La Villette gebracht und am Bahnhof Pantin verladen. Die Monopolisierung der Fleischfabrikation, wie eben einst in La Villette betrieben, baut die Machtstellung aus.

Lagerhäuser ermöglichten die Spekulation mit Nahrungsmitteln – die Nahrungsmittelspekulation treibt ja in der heutigen Zeit so richtig Blüten Entrepôts de la Chambre de Commerce et d'Industrie aus 1930.. Die Lagerhallen der Handelskammer tragen heute die Spuren der Hausbesetzerszene, die sich dort für eine gewisse Zeit niedergelassen hat.

 

Foto 1     Foto 2

 

Angeblich wird das Erdgeschoss heute wieder betrieblich genutzt.


Tabakfabrik gab es auch – die Gaulloise wurden einst in Pantin gerollt. Bis dann auch hier in den 80er Jahren der Laden dicht gemacht wurde.

Das Wasserwerk hat zwar noch die Nutzungsrechte, schöpft sie aber nicht aus.

 

usine des eaux

 

1935 wurde daneben das heute denkmalgeschützte Hallenbad errichtet, das mit dem warmen Grundwasser versorgt wurde und für Frankreich wohl eine echte Novität darstellte: natürliche gewärmtes Schwimmbadwasser ist einfach selten in diesen Breitengraden.

 

Piscine municipale


Heute zeichnet Pantin ein anderes Bild, gehört es doch zu den so genannten Quartiers difficiles. Trauben von Männern und Jugendlichen an den Straßenecken und in den Bars, die Wohnverhältnisse scheinen nicht luxuriös zu sein.


Vor dem  Bollywood-Kino steht die indische Community Samstag nachmittag Schlange. Zumindest seit den 60er Jahren befindet sich an der Stelle ein Kino, angeblich aber schon sehr viel länger.


Gemeinschaftsgärten in der Baulücke erinnern mich an die Zeit, als ich mich eher mit bodenkulturellen Themen auseinandergesetzt habe.

 

Jardin Partagé 2

Jardin Partagé 1


Centre National de la Danse befindet sich seit 2004 in Pantin. Und nebst BNP Paribas lassen sich zunehmend andere Firmen in Pantin nieder.

 

danse

 

Jacques Kalisz war der Architekt des Centre Adminstratif Pantin, das nunmehr das Tanzzentrum beherbergt.

 

Alles ist im Umbruch, alles in Veränderung. Am Ourcq wird investiert und Infrastruktur der schickeren Art errichtet (werden), in der Stadt selber ist diese Veränderung weniger augenscheinlich.

Falls du bis hier gelesen hast – eine kleine Erläuterung, warum ich das schreibe: im Rahmen des Festival d’Île de France wurden zusätzlich zu den Konzerten Rahmenveranstaltungen angeboten. Anfang Oktober wurde ein Stadtspaziergang in Pantin angeboten – Le Ventre de Pantin.


Am Abend gab es noch Musik vom Vienna Vegetable Orchestra im Dynamo von Pantin. La Dynamo steht übrigens auf dem Gelände der ehemaligen Jutesackfabrik.

 

La Dynamo 2

La Dynamo 3

 

Da werden Karotten, Radi, Kürbis, Paprika, Auberginen, Kohl usw. zu Musikinstrumenten wie Flöte, Trommel, Synthesizer, E-Gitarre…. Und zu einem extremen Klangerlebnis. Das auch provokant ist. Denn mit Essen spielt man nicht lernt das artige österreichische Kind. Die Truppe Gablé aus der Normandie war nicht minder spannend. Und krönenden Abschluss bildete die Jamsession von Vienna Vetetable Orchestra und Gablé. Nein, Ergebnis war nicht Marmelade, sondern einfach ein toller Mix.

 

La Dynamo 4

Vienna Vegetable Orchestra

 

Am vergangenen Wochenende gind das Festival d'Île de France zu Ende. Für mich mit einem Konzert in Nogent sur Marne in dem Pavillon Baltard. Der stand einst in La Villette. Um auch geographisch den Bogen zu spannen. Die meisten Hallen des Fleischmarktes wurden einfach dem Erdboden gleich gemacht. Der Pavillon ist ab- und in Nogent neu aufgebaut worden.

Das Konzert war eine Kreation des palästinensischen Sänger, Lautenspielers, Poeten Moneim Adwan – „Le Souffle de la Terre“ – Der Atem der Erde. Sechs Chöre, zwei Vokal-Solisten, ein paar Musiker (Flöte, Percussion, Gitarre), einen Sufi Tänzer und einen Gedicht-Vortragenden haben dazu beigetragen, dass ich während der eineinhalb Stunden eine Reise weit von Spanien bis in den Orient unternommen habe. Welch würdiger Abschluß für das Festival mit dem Titel „Musiques entre Ciel et Terre“.

Gemeinsam mit Angelika waren wir vor dem Konzert auf Erkundungstour in Nogent – einem sehr netten und gepflegten Vorort von Paris nahe Bois de Vincennes.

Weil tags darauf so ein sonniger Tag war ging ich nochmal am Ourcq spazieren. Hab mir die Bauwerke entlang des Kanals näher angesehen. Aber der Fotoapparat war leider zu Hause geblieben.

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Published by Juttka - dans parisplages
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commentaires

michi 06/11/2010 23:11



ha, da kommt mir ja einiges bekannt vor - erstaunlich - wo hast du bloß diese vielen Informationen zusammengesammelt - sehr stimmig!!!