12 novembre 2006 7 12 /11 /novembre /2006 19:37

Wenn schon nichts wirklich Spektakuläres passiert, so wollen wir euch doch teilhaben lassen an einem ganz normalen Sonntag in Paris - eine kleine Bildergeschichte...

Begonnen hat mal alles damit, dass wir am Samstag eigentlich mehr oder weniger zu absolut nichts zu gebrauchen waren und das ergab sich so:
Werner, der Herr Kanzler, war nach einer echt stressigen Arbeitswoche auf Sozialtrip und hat uns, einer am Freitag um 16 Uhr spontan entstandenden Entscheidung zufolge, zu sich in die Pariser Banlieus eingeladen. Trupp 1 - Jutta, Werner und Kollegin Isolde, starteten um 17 Uhr von der Botschaft weg - ich bin mit Trupp 2 erst gegen 18:30 weggekommen, da der Trupp aus mir und den zwei Technikern der österr. Firma, die gerade unsere neuen Sicherheitsanlagen an der Botschaft bastelt, bestand. Wir waren durch ein kleines Detail am Türöffner der Haupteingangstür aufgehalten - sie war nämlich blöderweise von innen nicht mehr zu öffnen... Nun, letztendlich haben die beiden gemütlichen Techniker-Buam das auch hingekriegt.
Der Abend verlief sehr sozial und humorig und gegen 4 Uhr früh wurde dann auch mal an die Heimreise gedacht - Werner in grenzenloser Gastfreundschaft hat uns zwar mit finnischem Wodka und steirischem Birnernen verwöhnt, sich selber aber zurück gehalten und brachte uns alle noch mit dem Auto heim - sehr sehr nett.
Wir - natürlich nichts mehr gewöhnt - waren am nächsten Tag einigermaßen angeschlagen und ruhebedürftig..... Immerhin haben wir's aber noch geschafft endlich einen kleinen "Perser", der eigenlich ein Pakistani ist zu kaufen:

 Unser Sonntag begann also, nebst eines Frühstücks, mit der freudigen Begutachtung und Pflege unseres wunderbaren Stücks.
Sodann schritten wir zum Einkauf, der leere Kühlschrank sollte gefüllt werden, auf dass es dem Magen ebenso ergehen möge...
Netterweise gibt es jeden Sonntag einen einzigartigen Markt am Boulevard Richard Lenoir bei der Bastille, gleichs ums Eck quasi... Hier kriegt man wirklich ALLES was das Herz begehrt!

Muscheln, Austern und anderes Schalengetier


Nieren, Leber und andere Innereien

Käse in allen Größen und Arten

natürlich auch Fisch, Tintenfisch und Krustengetier

aber auch warme Wintersocken...

 Wir entschlossen uns heute für leckere Merguez und Chipolatas, weil wir die schon immer probieren wollten. Gemeinsam mit einem köstlichen Salat mit dem ebenso am Markt erstandenen Arganien-Öl ergab das ein echtes Multikulti-Abendessen.

Bevor wir jedoch unser wohlverdientes Abendessen genießen konnten - wurde noch längst Ausständiges erledigt - wir haben endlich unseren Lampenschirm im Wohnzimmer montiert!!!

 

Dazu eine nicht untypische französische Vorgeschichte: wir waren also im Lampengeschäft und hatten bereits 4 Modelle unsere Wahl gefunden (nach stundenlangen Diskussionen und Überlegungen) - leider waren aber 2 davon gleich mal nicht verfügbar - also haben wir die TRANSPARENTE Lampe unserer Wahl bestellen lassen. Wurden dann per SMS vom Eintreffen der Lampe informiert und - was sahen unsere Augen - die Lampe war türkis. Also erneute Bestellung - Wochen später wieder das SMS - und siehe da, die Lampe war grün... nun schon wenige Tage später war dann die transparente vorhanden (dabei hätte es auch noch eine rosarote gegeben, die man uns hätte unterjubeln können)... und nun hängt das gute Stück und funktioniert sogar:

Jetzt war es an der Zeit in eines der netten, gemütlichen Cafés in der Nachbarschaft zu gehen.
Selbstverständlich immer in Begleitung des Bereitschaftsdiensthandys und der fetten Informationsmappe - es könnte ja was sein...
Grad spazieren wir in die Nebengasse - schon klingelt das böse Ding - die Grenzpolizei am Flughafen CDG will den Bereitschaftsdienst  zur Unterstützung in einer potentiellen Passfälschungsangelegenheit konsultieren - selbstverständlich auf französisch... :-(
Ich mich am nächsten Stiegenaufgang niedergelassen und mal das Notizheft gezückt. Ein Österreicher, ursprüngl. aus Ghana, war von der Air France am Weg nach London zurückgewiesen worden, da die Fluglinie festgestellt hat, dass der Pass beim Foto manipuluiert sei ... Der Herr hatte nebstbei auch noch einen gültigen Personalausweis, seinen Staatsbürgerschaftsnachweis und alle Dokumente die man im Leben so braucht bei sich - und letztendlich konnten die Fälschungsexperten der Grenzpolizei auch nichts Ungewöhnliches feststellen. Von mir wollte man primär, dass ich mit dem Österreicher kommuniziere, um herauszufinden seit wann er Österreicher ist, wie er Österreicher geworden ist und ob er denn überhaupt brauchbares Deutsch spricht... also ich war mir nach dem Gespräch ziemlich sicher, dass der arme Mensch ein Opfer der meist sehr diskriminierenden Umstände war.. alle Aussagen plausibel und nachvollziehbar und in recht gutem Deutsch vermittelt. Die Polizei hat sich dann auch brav entschuldigt - hoffentlich auch bei ihm - der Flug war aber weg und ob er von der Air France dann eine Umbuchung erhalten hat entzieht sich leider meiner Kenntnis... Jaja, Festung Europa.
Irgendwie eine komische Situation am Handy auf der Straße eine Art Verhör zu führen und das dann dem Kiwara zu dolmetschen...

Der Kaffee war dafür umso leckerer - Noisette muss man hier trinken - entspricht ungefähr unserem kleinen Braunen. Und vom Kaffee gestärkt haben wir uns dann daheim brav zu den jeweiligen Französisch-Hausübungen gesetzt und fleissig gearbeitet:


Nach dem bereits oben erwähnten Abendessen gabs dann noch eine Wasserpfeife bei unserem Haus- und Hof-Wasserpfeifen-Wirten, der übrigens hervorragend deutsch spricht....

Jetzt ists aber Zeit für ein wenig in die TV-Glotze starren - drum verabschieden wir uns für heute und wüschen allen eine wunderbare Woche!
Bis bald
Michi&Jutta 

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Published by Michi - dans parisplages
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commentaires

Jutta 13/11/2006 18:20

Der Begriff Banlieu löst in der Leserschaft möglicherweise Assoziationen aus, geschürt durch die mitunter sensationsheischende Berichterstattung über brennende Autos und Autobusse, die in dem Fall jedoch völlig unberechtigt sind. Der im Westen der Stadt gelegene Vorort zählt zu den nobleren Wohngegenden in Paris und Umgebung. Zwar durchquert man auf dem Weg dorthin etwas berüchtigtere Gegenden wie Nanterre, aber das nur unterirdisch, sofern man mit der so genannten RER (Schnellbahn) anreist. Um die Friedlichkeit oder Lieblichkeit des Ortes zu unterstreichen: auf dem Weg vom Bahnhof zum Wohnhaus des Kanzlers querte ein Schwan seelenruhig die Straße, natürlich beim Zebrastreifen. Die Autos hielten an und ließen das Tier passieren.