1 juin 2008 7 01 /06 /juin /2008 13:15
... im Nationalpark Mercantour!













Das zahlreiche  Vorkommen von Sonnenuhren ("gnomon") auf fast jedem Haus der einzigartig gelegenen Bergdörfer am Rande des
Nationalparks Mercantour (Alpes-Maritimes - an der Grenze zu Italien) scheint darauf hinzuweisen, dass in grauer Vorzeit in diesen Regionen durchaus mit Sonnenschein zu rechnen war. Im Rahmen unseres zehntägigen Aufenthalts in den Alpes-Maritimes konnten wir nicht einmal für das außergewöhnliche und seltene Vorkommen von Sonnenschein profunde Anhaltspunkte finden :-(

Nicht nur weil auch die im Süden gelegenen Alpen Ende Mai gerne über 2000m noch Schnee haben sondern vor allem weil der tägliche Dauerregen zwar gut für die weiche Haut, aber schlecht für großartige Bergtouren ist, haben wir die Gegend eher auf 4 Rädern als zu Fuß erkundet und sind dabei durch wirklich fast jedes Bergdorf gekommen und haben alle (offenen) Kirchen besucht.
Unser Favorit:
Tende - hart an der Grenze zu Italien und nach wechselvollem Hin- und Her zwischen Italien und Frankreich erst 1947 nach einer Volksabstimmung endgültig zu Frankreich gekommen.

Angefangen hat alles wie ein französisches Reisemärchen anfangen muss:
mit einem Streik der SNCF, der sich aufgrund neuer Service Minimum-Regelung zwar nur auf 1 von 3 TGVs auswirkte - aber just der unsrige war ein solcher. Zum Glück haben wir noch ein VIEL VIEL teureres Ticket für einen der beiden anderen 2 von 3 TGVs ergattern können (das andere Ticket wird angeblich rückerstattet) und hatten dann auch erfreulicherweise einen Sitzplatz, was nicht alle Passagiere von sich behaupten konnten. Auch Ar... im Gsicht aufgrund der im Gang sich drängelnden Mitreisenden ist besser als fünfeinhalb Stunden Beine in den Bauch stehen bis man endlich in Nizza ankommt ...
In
Nizza war dann auch noch alles GUT (und schick und teuer und links Filmfestspiele von Cannes und rechts Grand Prix von Monaco und wir mittendrin)

Kaum hatten wir jedoch in Tende unser neues kleines Zelt aufgestellt prasselten auch schon die ersten Regentropfen auf uns hernieder... Wie o.a. haben wir uns durch den Niederschlag zwar von Wanderungen abbringen lassen, nicht jedoch davon unsere Nächte im Zelt zu verbringen und Ruhe und Einsamkeit zu genießen. So stelllten wir unser Zelt dort auf wo Lama und Pony einander gute Nacht sagen und fürchteten uns vor keinerlei Bedrohung durch Wildtiere oder sonstige Mitbewohner (wir waren auf 3 der vier abgeklapperten Campingplätze quasi allein)

Der Nationalpark ist durchaus an Wildlife reich - so konnten wir bei einer der wenigen Wanderungen ein Steinbockpärchen, Reh und Hase sowieso, Gämsen und sogar einen recht zahmen Fuchs beobachten.



An dieser Stelle sei angemerkt, dass meine Kamera den Regen offenbar nicht überstanden hat und ich über KEIN EINZIGES meiner 200 sicher wunderbaren digitalen Fotos verfüge und daher auf Juttas Dokumentation angewiesen bin...

Wir wollten's ja an sich vermeiden, aber das Schlechtwetter hat uns geradezu dazu getrieben... Nachdem wir schon alle Orte im Umkreis (per Auto) abgeklappert hatten, an allen Kirchentüren gerüttelt hatten und auch kein einziges sympathisches Lokal mehr zu finden war, haben wir uns dazu durchgerungen doch auch
"ALPHA - Le Temps du Loup" sowas wie einen Streichelzoo für Wolfshungrige zu besichtigen - und ganz ehrlich: wir waren fasziniert!

Das mit den Kirchen hat auch so seine Bewandtnis - es gibt in der Gegend nämlich wunderbar ausgemalte Kirchen - von oben bis unten mit noch gut erhaltenen farbenprächtigen Fresken aus dem 16./17. Jahrhundert angefärbelt und die sind schon wirklich sehenswert. Im alten Franziskanerkloster in
Saorge sind die Farben noch so kräftig als wären sie letzte Woche hingemalt worden - dabei sind diese noch unrestauriert im Originalzustand im Refektorium erhalten, da dieses so gebaut wurde, dass die Sonne zu keiner Jahres- und Tageszeit die bemalten Mauern direkt bescheint...
Die Comix der Rennaissance geben als Bildgeschichten auch einiges her



Wetter hin, Schnee her, wir haben die Tage genutzt, um uns optimal auf eine künftige Wandertour im Gebirge des Mercantour vorzubereiten und werden in absehbarer Zeit dorthin zurück kehren, um das
Vallée des Merveilles und so einige der Dreitausender zu besuchen.

Wenn man die Bilder der Côte d'Azur kennt, so glaubt man kaum, dass sich wenige Kilometer hinter Nizza ein echtes Bergparadies auftut, mit normalen, netten Menschen, gutem Bergkäse und vor allem schroffen Tälern und Schluchten und viel viel Wasser, vor allem zur Regenzeit ,-)...


Das Hochwasserspektakel neben diversen Campingplätzen konnten wir in folgenden Tälern miterleben:
Vallée de la Roya (Tende)

Vallée de la Vésubie (Saint Martin - Vésubie)

Vallée de la Tinèe (Isola)

Vallée du Var (Entrevaux)

Da der Weg nach
Jausiers noch wegen Lawinenabgängen gesperrt war,


haben wir unser Picknick am Camping-Platz eingenommen - Käs und Wurscht-Jause wie bei uns in den Bergen, bloß statt dem Most haben wir uns hier eher an den Côte de Provence gehalten.

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Published by Michi - dans parisplages
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commentaires

Jeanne 03/06/2008 11:33

Ja, das mit Lama und Pony hab ich auch besonders süß gefunden :-). All best, J. (die sich von jenseits des großen Teiches zurückmeldet)

Michi 02/06/2008 20:30

ein ganz ganz spezielles dankeschön für den Herrwick (der übrigens eine wunderbare Foto-Site sein eigen nennt. Mehr Fotos vom Urlaub gibt es übrigens hier

H 02/06/2008 16:40

also das ist mal wieder ein umfassender, aufregender und kurzweiliger reisebericht! am besten hat mir gefallen "wo sich lama und pony einander gute Nacht
sagen samt passenden  bild dazu :-)im übrigen bin ich ja der meinung, ich hätte mir einen eigenen sondernewsletterbeitrag aufgrund penetrant treuer leserschaft (und kommentatorentätigkeit) bereits längst verdient. wunschtitel: französiche autoklassiker, eh klar.hier eine optische stimulanz aus der heimat: