5 septembre 2015 6 05 /09 /septembre /2015 18:06

Die "Je suis Charlie" Plakate nach wie vor präsent auf der Place de la République vom vergangenen Jänner, fand heute eine andere Kundgebung im Sinne der Menschlichkeit eben dort statt.

Die TeilnehmerInnen bringen ihre Forderung zum Ausdruck, den aktuellen Flüchtlingsströmen vor allem aus Syrien mit Humanität und mit menschenwürdigen Maßnahmen zu begegnen.

Die beiden Kundgebungen haben durchaus Gemeinsamkeiten: den Wunsch nach Menschenwürde, Frieden und Freiheit, ein Nein zu religiösem Radikalismus mit Ausformungen wie im IS.

Die Dramatik und Schicksale gehen unter die Haut. Der Fluchtweg endet für manche tödlich. Bei der Überfahrt über das Mittelmeer kamen und kommen laufend Menschen ums Leben. Das Bild eines dreijährigen Buben, der ertrunken ist, ging diese Woche um die Welt. Zwei LKWs mit mehr als 70 toten Flüchtlingen wurden in Österreich entdeckt. Die Inseln wie Lesbos und Kos stehen am Rande des Kollaps. Die Leute werden meist notdürftig in Zeltlagern untergebracht, die Unterkünfte für die Flüchtlinge und die Aufnahmestellen sind überbelegt und es fehlen ihnen Mittel, die Leute ausreichend zu versorgen. In Österreich stand im Sommer Traiskirchen im Mittelpunkt von kritischer Medienberichterstattung.

Die aktuellen Flüchtlingsströme nach Europa stellen für die EU und die Mitgliedsstaaten eine Herausforderung dar, der sie nur bedingt gewachsen sind.

Die ungarische Regierung hat sich unglaublich unfassbar verhalten und rassistische Aussagen getätigt, dass es einem übel wird. Die meisten Flüchtlinge streben vor allem Deutschland als Zielland an. Die Flüchtlinge haben sich zum Teil zu Fuß entlang der Autobahn von Ungarn in den Westen auf den Weg gemacht. Unglaubliche Szenen und Bilder! In der vergangenen Nacht hat Ungarn Busse organisiert, die die Flüchtlinge an die österreichische Grenze brachten. Andere kamen per Zug nach Wien. Für einige geht es direkt weiter nach Deutschland.

An allen Ankunftsorten in Österreich standen Hilfsorganisationen und Freiwillige bereit, um die Leute zu empfangen. Menschen, die teilweise seit Wochen unterwegs sind, sind verständlicherweise müde und erschöpft. Es sind freilich Leute, die die notwendigen Mittel aufbringen konnten, um die Flucht zu ergreifen und die Schlepper und Schleuser bezahlen zu können. Freunde von mir, die am Westbahnhof waren, um ein Hilfspaket abzugeben, fanden die vergleichsweise Ruhe und den organisierten Ablauf bemerkenswert.

In Paris und Frankreich ist die Situation für Sans Papiers, Migranten und Flüchtlinge nicht erst seit kurzem besonders schwierig. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: In La Chapelle - Rue Pajol wurde im Juni eine Unterkunft geräumt. Anschließend wurde in der rue Pajol auf dem Gehsteig und der Esplanade unter freiem Himmel ein Matratzenlager mit Kantinenküche aufgebaut. Die Menschen wurden dann doch in Unterkünfte gebracht. Just gestern wurde aber erneut eine Unterkunft Rue Pajol geräumt. Anfang September wurde eine Bidonville mit angeblich 80 Familien nördlich von Paris geräumt.

Seit Wochen gehen Berichte durch die Medien über Flüchtlinge beim Ärmelkanaltunnel, die sich an Zügen festklammern oder zu Fuß durch den Tunnel nach Großbritannien zu gelangen versuchen.

Heute wurde eben die Kundgebung in Paris, und in anderen französischen Städten organisiert. Man berichtet in France 2, dass es die größte Kundgebung dieser Art in Frankreich gewesen sei. Naja, ich war von der Teilnehmerzahl nicht sehr beeindruckt. Die 20.000 in der Vorwoche in Wien wurden denke ich nicht erreicht.

Wenn auch Politik und Regierungen zu scheitern drohen - das oft spontane Engagement der Bevölkerung ist ein starkes und ermutigendes Zeichen.

Auf der Flucht
Auf der Flucht
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Published by Jutta - dans parisplages
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commentaires

Michi 05/09/2015 21:54

Europa muss aufhören zu glauben dass die Menschen und was wegnehmen (wollen)..
" Die Flüchtlinge nehmen uns tatsächlich etwas weg. Nicht Arbeitsplätze, Geld oder Sozialleistungen. Nein, sie nehmen uns etwas ganz anderes weg. Das gute Gewissen. Das Gefühl der Selbstverständlichkeit im eigenen Leben. (Der Krieg nimmt immer die Selbstverständlichkeit. So ist es heute dort. Und so war es früher auch hier.) Ja, das nehmen sie uns - die Flüchtlinge. Plötzlich schmeckt der Schweinsbraten, die Landschaft, das Leben nicht mehr so voll. Plötzlich fühlt sie sich bedroht an, die Zufriedenheit."
http://www.wienerzeitung.at/meinungen/glossen/772621_Was-nehmen-sie-uns-weg-die-Fluechtlinge.html